100 Jahre Sankt Norbert

12. Januar 2016


2016 begehen wir in unserer Gemeinde ein großes Jubiläum: 100 Jahre Sankt Norbert.

Wenn wir uns die letzten 100 Jahre in Berlin anschauen, sehen wir Diktatur, Unterdrückung, Gewalt, Teilung, Armut. Erst in den letzten 25 Jahren ist es möglich, in ganz Berlin menschenwürdig zu leben, nach wirtschaftlichen und politischen Unruhen, nach Faschismus und Kommunismus, nach Krieg und Zerstörung, nach mühsamem Wiederaufbau und schmerzlicher Trennung von Freunden und Familien in einer von Mauer und Stacheldraht geteilten Stadt.

Barmherzigkeit scheint hier ganz weit weg. Und dennoch entdecken wir in den letzten 100 Jahren auch in unserer Nachbarschaft Menschen, die in schweren Zeiten die Frohe Botschaft der Liebe Gottes zu den Menschen verkündeten, und für die Erkenntnis einstanden, dass jeder einzelne Mensch eine unveräußerliche Würde besitzt.

So wie Clemens August Graf von Galen. Er war in den Gründerjahren unserer Gemeinde Pfarrer von St. Matthias, zehn bewegte Jahre lang (von 1919 bis 1929). 1933 wurde er zum Bischof von Münster geweiht. Im Sommer 1941 hat sich der „Löwe von Münster“ in drei Predigten gegen die „Aktion T 4“ gewandt, das zynisch „Euthanasie“ genannte Programm zur Vernichtung von chronisch kranken und behinderten Menschen. 2005 wurde er von Papst Benedikt XVI. seliggesprochen.

Auch in unserer Gemeinde können wir Barmherzigkeit erfahren. Aber nur dann, wenn wir selbst bereit sind, barmherzig zu sein. Die Möglichkeiten dazu sind vielfältig: Von der Unterstützung der Gremienarbeit über die tätige Hilfe bei den Jubiläumsveranstaltungen bis hin zur Mitwirkung an der Liturgie und der Glaubensweitergabe im Rahmen der Vorbereitung auf die Erstkommunion und die Firmung.

Machen wir das Jubiläumsjahr zu unserem Jahr der Barmherzigkeit, egal in welcher Funktion, welcher Rolle und unter welchen Umständen wir in der Gemeinde aktiv sind. Leiten lassen können wir uns dabei von unserem Patron, Norbert von Xanten, der im Rückblick auf sein wechselvolles Leben gesagt haben soll: „Ich war bei Hofe, ich war im Kloster, ich stand in kirchlichen Würden; und überall machte ich die Erfahrung, daß es nicht Besseres gibt, als ganz auf Gott gerichtet zu sein“.

Der Text erschien zuerst in: Miteinander. Pfarrnachrichten der Katholischen Gemeinde St. Norbert – Berlin. Dez. 2015 / Jan. 2016, S. 3.

(Josef Bordat)

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