Marx in Vietnam

12. Januar 2016


Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, besucht derzeit Vietnam. Er trifft dort auf eine junge und vitale Kirche, die vom vietnamesischen Staat brutal unterdrückt wird; „wachsende Kirche in einer schwierigen Lage“ heißt das auf diplomatisch.

In der Praxis ist die Situation für die Christen seit langem schon unerträglich. Zwar wird in Vietnam die Gewissens-, Glaubens- und Religionsfreiheit auf dem Papier gewährleistet, doch unter sehr strengen Bedingungen, die dieses elementare Menschenrecht substantiell aushöhlen. Betroffen sind davon auch (aber bei weitem nicht nur!) die katholischen Gemeinden im Land. Die Auflagen für die Kirche sind mit absurd nur unzureichend beschrieben: Die Gemeinden müssen den Behörden beispielsweise im Oktober eine vollständige Liste aller für das kommende Jahr geplanten Aktivitäten vorlegen – nachträgliche Änderungen sind nicht erlaubt. Das gilt auch für Taufen und Hochzeiten. Sogar Beerdigungen müssen ein Jahr im voraus terminiert werden.

Nach dem Ende des Vietnamkriegs (1975) hatte das kommunistische Regime die diplomatischen Beziehungen zum Heiligen Stuhl abgebrochen und mit der Verfolgung der Kirche in Vietnam begonnen. Audienzen des vietnamesischen Ministerpräsident Nguyễn Tấn Dũng bei Papst Benedikt XVI. (2007) und Papst Franziskus (2014) werden allgemein als Hoffnungszeichen gewertet. Doch tragen sie zur Normalisierung der Beziehungen und – das ist entscheidend – zu einer Verbesserung der „schwierigen Lage“ für die sieben Millionen vietnamesischen Katholiken bei? Das wird sich schon in naher Zukunft zeigen: Im kommenden Jahr soll in Vietnam die erste katholische Universität eröffnet werden.

(Josef Bordat)

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