Weltverfolgungsindex 2016

13. Januar 2016


Rund 100 Millionen Christen werden derzeit weltweit um ihres Glaubens willen verfolgt. Sie stellen damit die höchste Anzahl von Verfolgten einer Glaubensgemeinschaft. In den vergangenen Jahren haben sowohl die Schärfe als auch die geografische Ausbreitung der Verfolgung zugenommen. Heute hat das überkonfessionelle christliche Hilfswerk Open Doors den Weltverfolgungsindex 2016 veröffentlicht, die einzige jährlich durchgeführte systematische Untersuchung zur Lage der Religionsfreiheit von Christen weltweit.

„Das Jahr 2015“, so heißt es in dem knapp 300 Seiten langen Bericht, „wird wegen der massiven religiösen Verfolgung fraglos als das Jahr beispielloser Gewalt und Vertreibung in Erinnerung bleiben. Der ‚Islamische Staat‘ (IS) und seine Gesinnungsgenossen haben ihre Gewalttaten wie nie zuvor über Grenzen hinweg ausgebreitet und sind dabei nach Libyen, Kenia und Ägypten vorgedrungen“. Nicht nur der sich ausbreitende islamistische Terror sei dabei eine Gefahr für Christen, sondern auch repressive Maßnahmen der Regierungen gegen jegliche Religionsausübung sowie extremistische Umtriebe in anderen Religionen (etwa im indischen Hindu-Nationalismus) als Reaktion auf den Terror.

In der unrühmlichen Top Ten befinden sich neben Nordkorea, das seit 2002 die Spitzenposition einnimmt, ausschließlich Länder, in denen islamistischer Extremismus die Hauptursache der Christenverfolgung darstellt: Irak, Eritrea, Afghanistan, Syrien, Pakistan, Somalia, Sudan, Iran und Libyen. Millionen Christen werden dort vertrieben, Hunderttausende verletzt, Zehntausende ermordet. Islamismus ist auch der Grund dafür, dass sich Länder wie Jemen, Nigeria, die Malediven und Saudi-Arabien auf den folgenden Plätzen einfinden. Auch die Tatsache, dass der potentielle EU-Beitrittskandidat Türkei erneut den Sprung unter die 50 schlimmsten Verfolger-Staaten geschafft hat, lässt sich mit einem wachsenden islamistisch grundierten Nationalismus erklären.

Ein weiterer Trend ist die verstärkte Überwachung und Einschüchterung von Christen in Ländern Zentralasiens (Usbekistan, Platz 15; Turkmenistan, Platz 19; Tadschikistan, Platz 31; Aserbaidschan, Platz 34; Kasachstan, Platz 42). Dort wird zum Teil mit äußerst raffinierten Techniken gearbeitet, die ganz subtil die Zersetzung in den Gemeinden fördern sollen: „So kann es vorkommen, dass ein bekannter Pastor plötzlich und ohne jede Erklärung ein Haus oder ein Luxusauto geschenkt bekommt. Er selbst weiß nicht, woher das Geschenk stammt. Dabei ist es eine Gabe des Staates mit dem Ziel, Verdächtigungen und Misstrauen in seiner Gemeinde zu säen, der Pastor könne korrumpiert worden sein. Ein anderer Pastor wird verhaftet, in Haft aber nicht belangt, sondern einige Tage lang gut behandelt. Wenn er zu seiner Gemeinde zurückkehrt, ist niemand bereit zu glauben, dass er keines seiner Gemeindemitglieder verraten habe. Auf diese Weise wird erfolgreich Zwietracht gesät und die Gemeinde nachhaltig geschwächt“. Nicht immer ist es brachiale Gewalt – Christenverfolgung hat viele Gesichter.

Ausführliche Berichte zum Weltverfolgungsindex und alle Platzierungen finden Sie hier.

(Josef Bordat)

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