Deskriptiv und affirmativ

15. Januar 2016


Es ist im Leben wichtig, Beschreibungen und Wertungen voneinander zu unterscheiden. Gerade dann, wenn man Situationen und Personen beurteilen will, von denen man ansonsten wenig weiß.

Braulio Rodríguez Plaza, Erzbischof von Toledo, hat eine Predigt gehalten, in der er im Kontext des Themas Ehe und Familie über Gewalt gegen Frauen spricht und dabei einige Fakten nennt, unter anderem Anlässe, die zu Gewalt gegen Frauen führen (etwa eine von der Frau gewünschte Trennung).

Das wurde ihm von einigen Medien nun so ausgelegt, als wolle er damit den Frauen die Schuld zuweisen. Als wolle er Gründe nennen, bei deren Vorliegen Gewalt gegen Frauen gerechfertigt sei. Als ginge es irgendwie schon in Ordnung, scheidungswillige Frauen zu schlagen.

Zwei Kolleginnen stellen dankenswerter Weise klar: Der Erzbischof spricht deskriptiv, nicht affirmativ. Er sagt, wie es ist, er sagt nicht, dass er das richtig findet oder gar, dass es so sein soll. Insbesondere findet keine Schuldzuweisung an die Frauen statt.

Sie stellen dies klar – und das wiederum kann ich den Kolleginnen Heike Sander und Anna Diouf gar nicht hoch genug anrechnen – nachdem sie die Predigt gelesen und verstanden haben.

(Josef Bordat)

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