Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit

26. Januar 2016


Zwei Vietnam-Petitionen fordern grundlegende Menschenrechte

Reporter ohne Grenzen und Missio haben heute bei einer Veranstaltung in der Berliner Zeit Online-Redaktion eine Petition zur Freilassung des seit Jahren inhaftierten Bloggers und Priesters Nguyen Van Ly vorgestellt und gestartet.

Das Podium mit dem seit 2013 in Deutschland lebenden vietnamesischen Blogger Bui Thanh Hieu (2. von links) und Prälat Dr. Klaus Krämer, Präsident von Missio. Foto: JoBo, 1-2016.

Das Podium mit dem seit 2013 in Deutschland lebenden vietnamesischen Blogger Bui Thanh Hieu (2. von links) und Prälat Dr. Klaus Krämer, Präsident von Missio (im Bild ganz rechts). Foto: JoBo, 1-2016.

Die beiden Einrichtungen haben sich zusammengetan, weil sich in der Person Nguyen Van Lys die jeweiligen Schwerpunkte ihrer Menschenrechtsarbeit überschneiden: die Meinungs-, Presse- und Informationsfreiheit auf der einen und die Gewissens-, Glaubens- und Religionsfreiheit auf der anderen Seite. Vertreter beide Initiatoren wiesen in diesem Zusammenhang auf die Unteilbarkeit der Menschenrechte hin: Meinungs- und Religionsfreiheit gehören grundsätzlich zusammen.

Das mag nach den Debatten um Charlie Hebdo überraschen, doch bei tieferer Betrachtung wird es deutlich: Ein religiöser Glaube kann nicht frei ausgeübt werden, wenn es keine Freiheit der Meinungsäußerung gibt, und Journalisten können nicht frei wirken, wenn ein bedeutender Teil der Kultur, über die sie berichten wollen, nur unter strengen behördlichen Kontrollen und absurden Genehmigungsvorbehalten realisiert werden kann. Letztlich basiert auch der Spott über Religion wesentlich auf deren Freiheit.

Und: Gerade, wenn Religion – wie heute üblich – nicht mehr als geistliches Band von Kultur und Volk, sondern nur noch als eine x-beliebige Geisteshaltung unter vielen angesehen und stärker als bisher ins Persönliche gedrängt wird, also Mein-ung ist, sollte klar sein, dass zwischen diese elementaren Freiheitsrechte des Menschen kein Blatt Papier passt. Für beide Rechte gilt zudem die gleiche Grenze: die Würde des Menschen, aus der die Freiheit geistlicher, geistiger und materieller Entfaltung erwächst.

Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist richtig, dass Nguyen Van Ly umgehend frei kommt. Es ist wichtig, am Beispiel dieses mutigen Bloggers und Priesters ein Zeichen zu setzen für Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit. Unterschreiben Sie bitte.

Praktisch zeitgleich ruft die Gesellschaft für bedrohte Völker dazu auf, die „Glaubensfreiheit in Vietnam [zu] retten„. Hintergrund ist die Debatte über ein Religionsgesetz, mit der die bisherigen Normen, die auf der Ebene von Durchführungsverordnungen bestehen, gebündelt und – so die Befürchtung – weiter verschärft werden. Auch hier gilt: Unterschreiben Sie bitte.

Vielen Dank!

(Josef Bordat)

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