Felix Austria!

3. Februar 2016


Oder: Wie in Österreich die Kinder auf die Welt kommen.

Ja, ist denn wirklich schon wieder Karneval? Der Eindruck kann entstehen, wenn die „Österreichische HochschülerInnenschaft“ erklärt, „woher die Kinder kommen“ und zwar „ohne heteronormative Kackscheiße“. Und ohne Biologie. Und auch ohne die psychologischen Folgen, die es hat, wenn eine der Mütter auf die Frage nach dem Vater kurz „Anonymer Samenspender“ antwortet. Und ohne übertriebene Furcht vor Inkonsistenzen aller Art.

Dabei ist der „Österreichischen HochschülerInnenschaft“ gar nicht mal der Hauptvorwurf zu machen, schließlich werden in der Hauspost „Progress“ lediglich zwei Kinderbücher rezensiert, die sich mit der Produktion von Nachwuchs befassen. Ich habe lange überlegt, aber anders lässt sich das nicht bezeichnen, wenn es dem Sachverhalt entsprechen soll, denn bei den Vorgängen wird an mindestens einer Stelle medizintechnisch eingegriffen, um die Zeugung zu ermöglichen.

Doch nun zum Text. Erstmals stutze ich beim Einleitungssatz: „Wie Single-Vater Tobias mit Lotta schwanger wurde“. Ja, gut. Ich hätte vielleicht gestern nach dem 23. Bier aufhören sollen. „Single-Vater Tobias“, „schwanger“. War da nicht mal was? Nun, „weshalb er eine Gebärmutter hat, wird nicht unnötig thematisiert“. Warum auch. „Ein Freund schenkte ihm die Samen, die er benötigte“. Na, dann.

Doch das war nur das erste Buch, das angetreten ist, die „Mär der Zweigeschlechtlichkeit“ und diese Wahnvorstellung, ein Kind habe Vater und Mutter, endgültig zu beseitigen. Das zweite folgt sogleich. Da sorgt nicht der „Singe-Vater“ für die creatio ex quasi nihilo, sondern zwei Frauen: „Macht einfach mal, Mamis! Die beiden Mütter sind einverstanden, greifen zur anonymen Samenspende und neun Monate später kann Maxime sein Geschwister Nikola im Arm halten“.

Dass Maxime, den Mamis und der „Österreichischen HochschülerInnenschaft“ dabei „Geschwister Nikolas“ Recht auf Kenntnis der biologischen Abstammung ziemlich schnuppe ist, wird – richtig! – nicht unnötig thematisiert. Statt dessen folgt das Fazit: „Beide Bücher behandeln eine ähnliche Thematik und eignen sich beide dafür, Kindern zu erklären, wie sie auf die Welt kamen.“

Genau. Nach anonymer Samenspende und neun Monaten in der Gebärmutter eines Mannes. Ist klar. Wer kam so nicht auf die Welt? Eben! Von heteronormativen Nazis mal abgesehen.

(Josef Bordat)

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