Nachruf, verspäteter

3. Februar 2016


Ich habe gestern Abend erfahren, dass ein Bekannter, mit dem ich über mehrere Jahre in einem kleinen Gesprächskreis sehr engagiert zusammengearbeitet (und durchaus auch gestritten) habe – was bei den ebenso grundsätzlichen wie kontroversen Fragen, die wir behandelten, nicht ausbleiben konnte und sollte -, bereits im vergangenen Sommer verstorben ist. Wir hatten uns in den letzten Jahren etwas aus den Augen verloren, doch die sieben, acht Jahre intensiven Gedankenaustausches zuvor hatten uns doch verbunden. Nicht eng, auch nicht unbedingt freundschaftlich, aber doch in gegenseitigem Respekt.

Er – dreißig Jahre älter als ich – konnte beides: Zeigefinger des Oberlehrers und väterliches Wohlwollen. Wenn er mir nach einem Einwand oder einer Frage sein „Sehr wichtiger Punkt!“ zuraunzte, dann war mir das wirklich was wert. In Fragen des Glaubens standen wir leider eher neben- oder gegeneinander als zueinander: Er war von selbigem abgekommen. Aber auf eine Art, die zumindest gelten ließ, dass es anderen Menschen nicht so ging. Nur, wenn es im Gespräch – für seine Begriffe – zu fromm wurde, zeigte er mit einem verschmitzten Lächeln an, was er davon hielt. Manchmal hat mich das gestört, manchmal jedoch wirkte es wie ein Warnsignal: Auf dem Boden bleiben!

Die elektronischen Medien mied er. Wenn man etwas von ihm wollte, musste man ihn anrufen. Besser noch: zu ihm hin. Diesen Blogbeitrag hätte er nie gelesen. Es sei denn, ich hätte ihn ausgedruckt und per Post zugestellt. Guten Rotwein hatte er immer auf Lager.

Jetzt ist er nicht mehr da.

Komisches Gefühl.

(Josef Bordat)

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: