Mexiko und die Katholische Kirche I

15. Februar 2016


Teil 1: Kolonialgeschichte.

1. Vorbemerkungen

Etwa 80 Prozent der rund 120 Millionen Mexikaner sind katholisch. Mexiko ist damit – nach Brasilien – das Land mit der zweitgrößten Katholikenzahl. Anders gesagt: Jeder zwölfte Katholik ist Mexikaner. Dennoch hat der Vatikan jahrzehntelang keine diplomatischen Beziehungen zu Mexiko gepflegt – Grund war die antiklerikale Politik des mittelamerikanischen Landes. Erst eine Verfassungsreform im Jahre 1992 ermöglichte die Wiederaufnahme der Beziehungen. Seitdem haben alle drei Päpste Mexiko besucht, sowohl Papst Johannes Paul II. (1993, 1999, 2002) als auch Papst Benedikt XVI. (2012). Und nun Papst Franziskus.

Heute möchte ich Sie in einen Diskurs einführen, der zum Papst-Besuch passt – eine Spurensuche rund um das Verhältnis von Kirche und Staat in Mexiko. Lesen Sie sich dazu bitte zunächst diesen Blogbeitrag durch. Der Verfasser und ich standen in einem Mailwechsel, aus dem heraus sowohl der Blogbeitrag als auch meine nachfolgende Erwiderung hervorgingen. Es geht nun erst einmal darum, die zentralen Thesen zur Kolonialgeschichte und zum Bürgerkrieg herauszuarbeiten. Ich habe dabei natürlich auch noch den Mailwechsel im Hinterkopf und muss feststellen, dass der Blogbeitrag nun einige Spitzen weniger enthält, im Ganzen nicht so scharf formuliert ist und auch ein paar der Behauptungen weggefallen sind. Das ist gut so. Ich habe großen Respekt vor Menschen, die sich vom Dialog beeinflussen lassen, die lernfähig sind und Fehler eingestehen, die also einen Gedankenaustausch nicht nur nutzen, um die eigene Position zu profilieren (das natürlich vor allem), sondern auch, um ihre Meinung zu modifizieren. Hut ab! Und das meine ich nicht hämisch, sondern ganz ernst.

Dennoch bleibt noch genügend Kritikables übrig. Wobei der Stil des Blogeintrags nunmehr den Nachteil hat, dass der Text in dieser recht allgemein unspezifisch gehaltenen Form wesentlich schlechter zu fassen ist. Ihn durchzieht das praktische Prinzip Beweis durch Behauptung, das immer dann funktioniert, wenn es gegen die Kirche geht. Einer pauschalen Diktion, die alles Mögliche und Unmögliche an Negativem unterstellt, lässt sich nur durch Negation oder aber sehr aufwendige Detailarbeit entgegentreten. Ich will letztere hier nur andeuten, zeigen, in welche Richtung diese gehen könnte. Ich möchte das in drei Abschnitten tun. Im ersten Teil soll die frühe Kolonialgeschichte (16. Jahrhundert) und die Frage nach dem Verhältnis von Kirche und Staat, von Missionaren und Conquistadores betrachtet werden (die der Verfasser fälschlicherweise als eine Partei auffasst), im zweiten Teil geht es um die Guerra Cristera und deren Folgen (20. Jahrhundert) und im dritten Teil um Kleinigkeiten, die mir an dem Blogbeitrag sonst noch aufgefallen sind.

In dem Text wird allerlei behauptet. Manches ist Ansichtssache, und bleibt es auch in der polemischen Zuspitzung, manches einseitig und durch gezielte Verweigerung einer um Redlichkeit bemühten historischen Kontextualisierung zumindest sehr schief, anderes aber auch schlicht und einfach falsch. Ich will im einzelnen zeigen, warum. Das als editorische Vorrede. Nun zur Kolonialgeschichte.

2. Ein Symbolbild?

Zunächst geschieht die Bezugnahme auf ein Bild, das der Verfasser offenbar für symbolisch hält: Der Wagen wird von weißen Rössern gezogen, oben schweben die Engelein, und unter den Rädern des Wagens liegen zerquetscht einige ‚Teufel‘, die man unschwer als mexikanische Ureinwohner erkennen kann. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, und dieses Bild sagt mehr über die verheerende Rolle der katholischen Kirche in Mexiko, als der fromme Maler beabsichtigt haben kann“. Bei allem Respekt vor der Kunst, aber Gemälde (und ihre Interpretation) ersetzen nicht die geschichtswissenschaftliche Forschung.

Die Ureinwohner in den Augen der Kirche – „Teufel“? Das überrascht. Zumindest, wenn man die Geschichte kennt. Der Verfasser spricht im Blogbeitrag von Mexiko, in den Mails von ganz Amerika. Ich denke, für ihn kann da in der Beurteilung kirchlichen (etwa missionarischen) Handelns kein Unterschied bestehen, handelt es sich doch um eine Kirche. Also beziehe ich das „Völkermorden“ und „Ausbeuten“ durch (angeblich) die Kirche mal auf ganz Amerika. Und die Sache mit den „Teufeln“ auch. Also.

Papst Paul III. sagt 1537 in einer Bulle (Sublimis Deus), dass die Indios Menschen seien – mit unveräußerlichen Rechten: Leben, Freiheit, Eigentum. Er verbietet deren Versklavung. Die Conquistadores ignorieren den Papst – versklaven, rauben und töten weiter. Für wen also sind die Indios „Teufel“?

Der Dominikaner Bartolomé de Las Casas – über den noch ausführlich zu sprechen sein wird – interveniert am Spanischen Hof zugunsten der Indios und übt scharfe Kritik an der Praxis der Conquistadores. Immerhin erwirkt Las Casas eine Art Sozialgesetzgebung, die Leyes Nuevas (1542). Die Conquistadores ignorierten diese Normen – versklaven, rauben und töten weiter. Für wen sind die Indios mithin „Teufel“?

In der Zeit, in der die Conquistadores versklavten, raubten und töteten, gründeten Dominikaner und Jesuiten Universitäten, die erste 1538 in Santo Domingo – die älteste Universität Amerikas. Nebenbei lernten Dominikaner und Jesuiten die indigenen Sprachen, legten Wörterbücher an und sorgten so dafür, dass wir heute von diesen Sprachen überhaupt Kenntnis haben. Noch einmal: Für wen sind die Indios „Teufel“? Für die Kirche?

Aber auch die Jesuiten wollten die Indios schützen, ihnen Bildung und den christlichen Glauben vermitteln. Dazu schufen sie die so genannten Reducciones (ursprünglich eine franziskanische Idee von 1575), in denen über anderthalb Jahrhunderte hinweg hunderttausende Indios friedlich und respektvoll missioniert wurden. Die Sache scheiterte. Nicht an der Umsetzung oder am Willen des Papstes, sondern an den Conquistadores. Die brauchten nämlich keine gebildeten Menschen in ihrem Einflussbereich, sondern solche, die sie versklaven, rauben und töten konnten. „Teufel“? Für wen? Für die Kirche? Wirklich?

Sodann noch ein „Teufel“: Cuauhtlatoatzin, ein Angehöriger des Volkes der Chichimecca. Er wurde 1474 nahe der mexikanischen Azteken-Metropole Tenochtitlán geboren. 1524 ließ er sich taufen und nannte sich seitdem Juan Diego. Am 9. Dezember 1531 erschien ihm auf dem Berg Tepeyac die Jungfrau Maria, die ihn bat, auf dem Berg eine Kapelle zu errichten. Sein Bischof glaube Juan Diego nicht. Drei Tage darauf erschien ihm Maria erneut und beauftragte ihn, dem Bischof die Rosen zu bringen, die er (mitten im Winter) am Hang des Berges finden würde. Juan Diego sammelte die Rosen in seinem Umhang und brachte sie zum Bischof. Als er dort den Umhang öffnete, war statt der Rosen ein Abbild der Muttergottes zu sehen. Sofort gab der Bischof den Bau der Kapelle in Auftrag, neben der Juan Diego bis zu seinem Tod (30. Mai 1548) als Eremit lebte. Die kleine Kapelle wurde später durch eine große Basilika ersetzt, zu Ehren der Jungfrau von Guadalupe. Juan Diego wurde 1990 selig- und 2002 heiliggesprochen. Frage: Spricht man „Teufel“ heilig? Und wer jetzt damit kommt, sein Bischof habe ihm nicht geglaubt – die Kirche ist bei Erscheinungen und Wunderberichten eben nicht leichtgläubig, ohne Ansehen der Person. Der aus Mitteleuropa stammenden Bernadette Soubirous hat ihr Bischof auch nicht geglaubt.

Ergo: Die „Rolle der katholischen Kirche in Mexiko“ (und ganz Amerika) ist nur dann „verheerend“, wenn man sie mit der spanischen und portugiesischen Kolonialpolitik verwechselt oder aber zumindest meint: „Die katholische Kirche lieferte ideologische Rechtfertigung und praktische Unterstützung für einen beispiellosen Völkermord an den mexikanischen Ureinwohnern“.

3. Kolonialpolitik und Katholische Kirche

Die Katholische Kirche (insbesondere die Missionare vor Ort) war mit der Kolonialpolitik Spaniens ganz und gar nicht nicht einverstanden, hatte vielmehr eigene Vorstellungen. Das Stereotyp Kirche war gegen die Ureinwohner, Kirche ist Schuld an ihrem Schicksal ist keine überzeugende Deutung und Beurteilung dessen, was zwischen 1500 und 1800 in Amerika passiert ist. Auch nicht in Mexiko.

Die Annahme, es passe gewissermaßen zwischen Missionare und Conquistadores in Denken, Sprechen und Handeln kein Blatt Papier, ist durch die historischen Fakten nicht gedeckt. Denn: Die Conquista war ein staatliches Projekt. Es ging um die politische Macht, die militärische Stärke und die wirtschaftliche Blüte Spaniens und Portugals. Die Grausamkeiten der Eroberer heute der Kirche und ihren Missionaren anzulasten, verfängt nicht, wenn man die rechtlichen Grundlagen bedenkt: Es waren bilaterale Verträge zwischen den Renaissance-Supermächten, die den Ausschlag gaben, nicht päpstliche Bullen. (vgl. hier)

Geradezu absurd wird der Vorwurf, wenn man berücksichtigt, dass es vor allem die Missionare aus dem Predigerorden waren, die gegen die Politik der Eroberer protestierten (und zwar, indem sie darauf hinwiesen, dass sich alle Conquistadores im Stand der Todsünde befänden; so erst Antonio Montesino, auf dessen Adventspredigt ich weiter unten noch eingehen werde, dann Las Casas), dass es Dominikaner und Jesuiten waren, die Schutzzonen deklarierten (ein Schritt, der ebenfalls an weltlichen Machtinteressen scheiterte) und dass es Dominikaner und Jesuiten waren, die Universitäten gründeten und deren Angehörige sich für die autochthone Kultur interessierten. Dazu nun einige Bemerkungen.

4. Missionstheorie und Missionspraxis

Als die „Katholischen Könige“ mit päpstlichem Mandat Amerika eroberten und die autochthone Bevölkerung von den Conquistadores im Rahmen einer gewaltsamen Kolonialisation „nebenbei“ christianisiert wurde – Mission war die Bedingung, die der Papst für die Übertragung der Gebiete an Spanien stellte (in der Bulle Inter cetera von 1493) –, stieß dies bei den Missionaren auf massiven Widerspruch, für den vor allem Bartolomé de Las Casas steht. Las Casas kritisiert die Eroberer – verarmter kastilischer Landadel im Goldrausch – als „Pseudoapostel“. Für Missionsaufgaben waren sie offenkundig höchst ungeeignet, kannten doch einige von ihnen, so ereifert sich der Dominikaner und spätere Bischof von Mexiko, nicht einmal das Kreuzzeichen. Der politisch und ökonomisch motivierten Unterdrückung setzt Las Casas die Befreiung „seiner“ Indios durch eine evangeliumszentrierte Mission mit friedlichen Mitteln und ein christliches Leben als positives Beispiel entgegen. Jesus wolle, so Las Casas, dass sein Evangelium „zärtlich, geschmeidig und mit aller Sanftmut“ verkündet werde. Er erinnerte daran, dass Jesus seinen Jüngern auftrug, ohne materielle Ansprüche („Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“, Mt 10, 8), in völliger Bedürfnislosigkeit („Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel. Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keine Schuhe, keinen Wanderstab“, Mt 10, 9-10), auf das Wohlwollen der Menschen hoffend („wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Unterhalt“, Mt 10, 10), friedlich („Wenn ihr in ein Haus kommt, dann wünscht ihm Frieden“, Mt 10, 12) und in Toleranz gegenüber Andersgläubigen („Wenn man euch aber in einem Haus oder einer Stadt nicht aufnimmt und eure Worte nicht hören will, dann geht weg“, Mt 10, 14) zu missionieren. Zudem beruft sich Las Casas auf den Apostel Paulus, der in seinen Episteln an verschiedenen Stellen Maximen einer friedlichen Mission formuliert, etwa im Ersten Brief an die Korinther: „Tut alles zur Verherrlichung Gottes“ (1 Kor 10, 31) oder im Brief an die Kolosser: „Alles, was ihr in Worten und Werken tut, geschehe im Namen Jesu, des Herrn“ (Kol 3, 17).

In der Praxis ist die gewaltfreie Mission erfolgreich. Las Casas schreibt in den 1530er Jahren mehrmals an den Indienrat und berichtet über die Erfolge seines pazifistischen Vorgehens. Als es in einer problematischen Gegend Mexikos Aufstände gibt und die Region daraufhin den aztekischen Namen Tezulutlán (Kriegsland) bekommt, ist das für Las Casas eine gute Gelegenheit, die Wirksamkeit seiner Methode unter Beweis zu stellen. In einem Vertrag mit dem indiophilen guatemaltekischen Gouverneur Alonso Maldonado vom Mai 1537 bittet er sich eine fünfjährige Frist aus, die kriegerische Bevölkerung mit seinen Mitteln zu befrieden und zur Anerkennung der spanischen Herrschaft und damit zu Tributzahlungen zu bewegen. Zusammen mit seinem Weggefährten Rodrigo de Andrada beginnt Las Casas, zur Bevölkerung ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, was rasch gelingt, unter anderem auch deswegen, weil sich Las Casas für die Menschen interessiert und ihre Sprache beherrscht. Mehrere Pfarrkirchen werden errichtet und die Indios zur Katechese in so genannte Reducciones verbracht. Die Reducciones waren Dörfer, in denen die sonst sehr vereinzelt lebenden Indianer angesiedelt wurden, um gesellschaftliches Leben in interfamiliären Strukturen und eine bessere theologische Unterrichtung zu ermöglichen. Besonders bekannt wurde in diesem Zusammenhang der Anfang des 17. Jahrhunderts in Paraguay errichtete Jesuitenstaat. Große Gebiete standen unter der Verwaltung von Missionaren, die das Alltagsleben wie in einer klösterlichen Gemeinschaft organisierten. Gemeinsame Bewirtschaftung der Felder, ergänzt um behutsame Glaubensunterweisung und einen religiös bestimmten Tagesablauf kennzeichneten dieses verheißungsvolle Experiment, das in so krassem Gegensatz zu der brutalen Explorationspolitik der Conquistadores stand und erst mit Übergabe der Gebiete an Portugal Mitte des 18. Jahrhunderts beendet wurde. Auch Las Casas ist mit den Reducciones erfolgreich: In einem Brief an Karl V. schreibt Las Casas von seinen Erfahrungen. Er fährt im März 1540 nach Spanien, um bei Hofe sein Konzept für ganz Amerika durchzusetzen, wo man seine Vorstellungen mit Wohlwollen aufnimmt. Doch zu mehr als zu einem Katalog nie wirklich angewandter Sozialgesetze (Leyes nuevas, 1542) kann sich Spanien am Ende nicht durchringen.

Las Casas steht unter den Praktikern in Amerika nicht allein. Er wurde beeinflusst von Antonio Montesino, er hatte zahlreiche Mitstreiter und Nachahmer. Es gab eine regelechte „Opposition von Dominikaner-Missionaren“ (so Matthias Gillner) gegen die Brutalität der Eroberer und die Indifferenz des spanischen Staates. Unterstützung erhielten sie von einem führenden Theoretiker des Dominikanerordens, der in Spanien, genauer: in Salamanca, wirkte: Francisco de Vitoria. Vitoria geht von einem allgemeinen Missionsrecht aus, verneint jedoch ein von der Kolonialfraktion um den Hofjuristen Sepúlveda in Anspruch genommenes „Recht auf gewaltsame Mission“ im Falle von Widerstand. Nur zur unmittelbaren Selbstverteidigung gegen sich mit Waffen wehrende Indios, also ausschließlich zum Schutz der Missionare, nicht der Mission, dürfe als ultima ratio Gewalt angewendet werden. Die biblisch-theologische Sicht eines Missionars in der Praxis (Las Casas) erfährt im Aufstellen politisch-rechtlicher Bedingungen im Rahmen einer frühen Theorie internationaler Beziehungen (Vitoria) eine wichtige Erweiterung: Mission wird Menschenrecht. Dieses ist, hierin sind sich dominikanische Theorie und Praxis einig, an ihre friedliche Form gebunden. So ist es bis heute.

5. Die Dominikaner-Opposition I – Montesinos Adventspredigt

Wir müssen noch genauer auf die historischen Umstände schauen. Nach der Entdeckung der Neuen Welt (1492) kamen 1510 die ersten Dominikanerpatres auf die Insel Española. Heute ist Española geteilt: Im Westen liegt das französischsprachige Haiti und im Osten die spanischsprachige Dominikanische Republik. Sie erkannten, dass die von den Conquistadores herbeigeführten Zustände in den Kolonien jeglicher Menschlichkeit entbehrten. Damals hatte die Spanier im Wesentlichen den Karibikraum besiedelt, die Eroberung der kontinentalen Großreiche stand noch bevor (1519 eroberte Hernán Cortés das Aztekenreich, 1532 Francisco Pizarro das Inkareich).

Im Zentrum der kritischen Missionare der ersten Generation stand Antonio Montesino. Montesino war von 1510 bis 1522 als Missionar in Española, bis zu seinem Tod (1540) noch in Puerto Rico und Venezuela. Mit seiner eindrucksvollen Adventspredigt warf er die Frage der Rechtfertigung des brutalen Kolonialregimes auf, eine Frage, deren Widerhall die bis dato vorherrschende Selbstverständlichkeit der Conquistadores für immer zerstörte. Während der zwei Jahrzehnte davor hatte sich niemand genötigt gesehen, irgendeine Rechenschaft über sein Verhalten abzugeben. Die Tatsache der Entdeckung selbst rechtfertigte die Besatzung und Exploration der entdeckten Gebiete. Das änderte sich durch die starken Worte Montesinos.

In seiner Predigt zum Johannesevangelium („Ich bin die Stimme, die aus der Wüste ruft“, Joh 1, 23) forderte er ein Verbot der Indianersklaverei und die Aufhebung des Encomienda-Systems. Montesino sagte, dass sich alle daran beteiligten Conquistadores im „Stand der Todsünde“ befänden („todos estáis en pecado mortal“), da es für ihr Tun keine Rechtfertigung gebe („Decid, ¿con qué derecho y con qué justicia tenéis en tan cruel y horrible servidumbre aquestos indios? ¿Con qué auctoridad habéis hecho tan detestables guerras a estas gentes que estaban en sus tierras mansas y pacíficas, donde tan infinitas dellas, con muerte y estragos nunca oidos habéis consumido?“). Deutlich prangert er ihre rücksichtslose Habgier an („¿Cómo los tenéis tan opresos y fatigados, sin dalles de comer ni curallos en sus enfermedades, en que, de los excesivos trabajos que les dais, incurren y se os mueren y por mejor decir, los matáis por sacar y adquirir oro cada día?“) und stellt eine Frage, die erst mit der Bulle Sublimis Deus (1537) zugunsten der Indios beantwortet wird: „Sind sie keine Menschen? Haben sie nicht vernunftbegabte Seelen?“ („¿Éstos no son hombres? ¿No tienen ánimas racionales?”) (zit. nach Las Casas: Historia de las Indias. Bd. 3. Hrsg. v. Fernández, I. P. et al., in: Castañeda Delgado, P. (Hrsg.): Bartolomé de Las Casas. Obras completas. Bd. 5, Madrid 1994, S. 1761 f.).

Das heißt: In der Adventspredigt des Dominikaners Antonio Montesino auf der Insel Española werden mit Blick auf die dort lebenden Indios zentrale Inhalte der wichtigsten, vorderen Artikel der Allgemeine Erklärung der Menschenrechte angesprochen (universale Menschenwürde, Recht auf Leben, Verbot der Sklaverei, Verbot der Folter, Verbot unmenschlicher Behandlung). Vor über 500 Jahren, am vierten Adventssonntag des Jahres 1511, gab es damit so etwas wie eine echte „Menschenrechtspredigt“ (Eggensperger / Engel: Bartolomé de las Casas. Dominikaner, Bischof, Verteidiger der Indios. Mainz 1992, S. 142), ein gutes Vierteljahrtausend vor der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und der Französischen Revolution. Am darauffolgenden Sonntag bekräftigt Montesino seine Auffassung unter dem Leitmotiv „Ich rufe mein Wissen weit hinaus, wahrhaftig, meine Worte sind kein Trug“ (nach Hiob 36, 3-4, vgl. Las Casas, Historia de las Indias, S. 1766).

Einer der Zuhörer ist der junge Bartolomé de Las Casas, der gerade erst wenige Jahre im priesterlichen Dienst stand. Während die Botschaft die Kolonialgesellschaft zwar irritierte, die Conquistadores aber letztlich unbeeindruckt blieben (Las Casas resümiert später nüchtern die Reaktionen der Zuhörer: „Viele waren sprachlos, einige wie von Sinnen, die anderen verstockt, manche sogar zerknirscht, aber keiner bekehrt“, zit. nach Liselotte und Theodor Engl, Die Eroberung Perus in Augenzeugenberichten, 2. Aufl., München 1977, S. 66), beschäftigte die Philippika seines späteren Ordensbruders – Las Casas trat erst 1522 in den Predigerorden ein – den jungen Kaplan sehr, auch wenn dieser zunächst keine praktischen Konsequenzen aus den eindrucksvollen Worten Montesinos zog. Dies geschah erst einige Jahre später nach einem Bekehrungserlebnis (s. unten).

Dennoch: Antonio Montesino kann durchaus als sein Mentor angesehen werden, denn er unterstützte Las Casas in seinem praktischen Einsatz für die Indios und ermutigte ihn, Memoriales an den Hof zu verfassen, um diesem sein Programm einer evangeliums- und missionszentrierten Kolonialisierung mit friedlichen Mitteln vorzustellen. Er hatte erkannt: Die Botschaft von der Liebe Gottes kann und darf nicht gewaltsam verbreitet werden! Leider waren er und seine Anhänger mit dieser Einstellung ziemlich allein. Die Zeichen der Zeit standen auf Gewalt, Unterdrückung und Ausbeutung. Die spanischen Conquistadores dienten in den Kolonien nicht Christus, sondern „ihrer Göttin Habgier“ (Las Casas: Tratados de 1552. Hrsg. v. Hernández, R. / Galmés L. In: Castañeda Delgado, P. (Hrsg.): Bartolomé de Las Casas. Obras completas. Bd. 10, Madrid 1992, S. 172), während die meisten Missionare schwiegen.

Karl V., der neben der spanischen Krone ab 1519 auch die Kaiserkrone trug, sorgte sich mehr um die Finanzkrise (Spanien war bei den deutschen Banken, den Fuggern und Welsern, hoch verschuldet – so hoch, dass es den Welsern Venezuela verpfändete, vgl. diese Abhandlung), innenpolitische Schwierigkeiten (1517 trat ein gewisser Martin Luther auf und drohte, das Reich zu zersetzen) und handfeste europapolitische Interessen (1523 belagerten die Osmanen die Stadt Wien und bedrohten damit das Reich von Süd-Osten her). Lateinamerika war zwar geostrategisch bedeutend und ökonomisch ertragreich, aber die „Menschen“ dort – wie gesagt: bis zur Bulle Sublimis Deus (1537) von Papst Paul III. galten Indios nicht als „richtige“ Menschen – waren den Herrschenden ziemlich egal.

6. Die Dominikaner-Opposition II – Bartolomé de Las Casas

Nach der Adventspredigt Montesinos (1511 – also ziemlich am Anfang der Kolonialgeschichte) wurde die Opposition dominikanischer und auch franziskanischer Kreise gegen die Eroberung immer stärker. Es entstand ein Legitimationsstreit, der bis Mitte des 16. Jahrhunderts die intellektuelle Elite Spaniens beschäftigte. In der spanischen Innenpolitik hat man versucht, die Dominikaner-Opposition ruhig zu stellen, doch am Ende ging das nur über eine sehr weitreichende argumentative Auseinandersetzung, im Zuge derer übrigens unser modernes Völkerrecht entstand. Dazu später mehr.

Es lohnt sich zunächst, etwas genauer auf Bartolomé de Las Casas einzugehen, gerade weil der Verfasser des Blogbeitrags ihn nur als Vertreter der Substitutionsthese zu kennen scheint und ansonsten nur ironisch(?) darauf hinweist, er werde „gern als ‚Apostel der Indios‘ bezeichnet“ (lies bzw. verstehe: ohne, dass es dafür einen sachlichen Grund gäbe). Das dies nicht nur – wie ich nachfolgend zu zeigen versuche – ein sehr, sehr, sehr unterkomplexes Las Casas-Bild verrät, ist das eine. Dass sich der Verfasser damit ausgerechnet den Aspekt bei Las Casas herauspickt, der nachweislich widerlegt ist, das andere. Ganz kurz: Dass Las Casas für die „Einfuhr“ von Schwarzen aus Afrika plädiert habe, ist falsch. Eindeutig dagegen positioniert sich etwa Pérez Fernández, der meint, „dank einem zweifelsfreien dokumentarischen Befund“ Las Casas berechtigterweise auch als „Verteidiger der Schwarzen“ bezeichnen zu können (vgl. Fray Bartolomé de Las Casas, O.P. De defensor de los indios a defensor de los negros. Salamanca 1995). Dass der Verfasser Las Casas in seinem Weltbild komplett ignoriert, ist vor dem Hintergrund der Sache mit dem „Völkermord“ und der „Ausbeutung“ durch die Kirche bzw. mit deren Unterstützung durchaus nachvollziehbar. Denn durch diese steile These macht der Dominikaner einen Strich. Fett, in roter Farbe. Aber der Reihe nach.

Bartolomé de Las Casas wurde 1484 in Sevilla geboren. Man nimmt an, dass Las Casas 1497 als Soldat nach Granada ging, um im Jahr 1500 auf Seiten des spanischen Heeres gegen die Morisken zu kämpfen. Später begann er ein Lateinstudium in Sevilla und ein kurzes Jura- und Theologiestudium an der Universität von Salamanca. Vor allem das Jurastudium ist dabei für seine weitere Entwicklung und die Art und Weise der Behandlung der sich darbietenden Fragestellungen im Kontext der Eroberung Lateinamerikas von überragender Bedeutung gewesen.

Las Casas geht als Priester nach Española, wo 1510 der erste Dominikanerkonvent in Übersee gegründet wird. Die missionarische Tätigkeit der Prediger findet im Rahmen der unmenschlichen Bedingungen des Encomienda-Systems statt und führt schnell zur Auseinandersetzung mit der Ausbeutungspraxis gegenüber den indianischen Einwohnern, deren grausame Folgen sich nicht verbergen lassen. So ist aufgrund von Militäraktionen, harter Arbeit, Unterernährung und Krankheiten in den Jahren 1492 bis 1508 die Bevölkerung Españolas von 300.000 auf 60.000 Menschen geschrumpft. Die erste theologische Antwort der Dominikaner erfolgte – wie oben dargelegt – am 4. Adventssonntag 1511, an dem Montesino in einer Predigt zum Johannesevangelium ein Verbot der Indianersklaverei und die Aufhebung des Encomienda-Systems forderte, einer Predigt, die zur Philippika gegen die Kolonisten geriet. Die Predigt hat Bartolomé de Las Casas nachhaltig beschäftigt.

Doch auch Las Casas zog zunächst keine praktischen Konsequenzen aus den eindrucksvollen Predigten Montesinos und nahm in den Jahren 1512 und 1513 als Feldkaplan an der blutigen Eroberung Kubas unter Diego de Velazquez teil und wurde Zeuge einiger Massaker, welche die spanischen Conquistadores anrichteten bei dem Versuch, die Inselbevölkerung zu unterwerfen und unter sich aufzuteilen. Als Belohnung erhielt Las Casas ein großes Dorf mit Goldminen und einer großen Anzahl von Indios, mit deren Hilfe er eine einträgliche Gruben- und Plantagenwirtschaft betrieb. Rückblickend schrieb er dazu: „Mit ihnen baute der Kleriker [Las Casas, J.B.] einen landwirtschaftlichen Betrieb auf, und andere schickte er in die Goldminen. Darauf verwandte er mehr Sorgfalt als darauf, die Indios im Glauben zu unterweisen, was eigentlich sein Amt gewesen wäre. Doch in dieser Hinsicht war er damals genauso blind wie jene, die er als Pfarrkinder hatte“ („Con los cuales el padre comenzó a entender en hacer granjerías y en echar parte dellos en las minas, teniendo harto más cuidado dellas que de dar doctrina a los indios, habiendo de ser, como lo era, principalmente aquél su oficio. Pero en aquella materia tan ciego estaba por aquel tiempo el buen padre como los seglares todos que tenía por hijos.“, Las Casas, Historia de las Indias, S. 1892 f.). Doch sein Verhältnis zum Vorgehen der Conquistadores wird unter dem Eindruck sinnloser Gräueltaten zunehmend kritisch. Exemplarisch sei hier ein Vorfall in Caonao benannt, bei dem etwa 2.500 Menschen brutal niedergemetzelt wurden, ohne dass es zuvor Widerstand gegen die Eroberung gegeben hätte. Dies mit ansehen zu müssen, erfüllte Las Casas „mit Grauen und Schauder“ („Ver las heridas que muchos sic tenían de los muertos y otros que aún no habían expirado, fue una cosa de grima y espanto.“, Las Casas, Historia de las Indias, S. 1881).

1514 wird Las Casas gebeten, am Pfingstfest die Predigt zu halten, die anlässlich der Einweihung der Stadt Sancti Spíritus im Zentrum Kubas zu einer feierlichen Würdigung der Kolonialadministration geraten sollte, war doch Sancti Spíritus zur Sicherung des spanischen Machtanspruchs angelegt worden. Bei der Vorbereitung dieser Predigt stößt Las Casas auf eine Stelle aus dem alttestamentlichen Buch Jesus Sirach (Jes Sir 34, 21ff.), die von heuchlerischen Opfergaben, dem schweren Los der Armen und deren ungerechte Behandlung durch ausbeuterische „Blutsauger“ spricht. Die Textstelle lautet: „Ein Brandopfer von ungerechtem Gut ist eine befleckte Gabe, Opfer der Bösen gefallen Gott nicht. Kein Gefallen hat der Höchste an den Gaben der Sünder, auch für eine Menge von Brandopfer vergibt er die Sünden nicht. Man schlachtet den Sohn vor den Augen des Vaters, wenn man ein Opfer darbringt vom Gut der Armen. Kärgliches Brot ist der Lebensunterhalt der Armen, wer es ihnen vorenthält, ist ein Blutsauger. Den Nächsten mordet, wer ihm den Unterhalt nimmt, Blut vergießt, wer dem Arbeiter den Lohn vorenthält“. Las Casas erkennt sogleich: Die ausgeraubten Armen, von denen hier in der Heiligen Schrift die Rede ist, sind die Indios, die als Zwangsarbeiter in seinen Mienen und auf seinem Landgut schuften. Und der Mörder seines Nächsten ist niemand anderes als er selbst, der Priester Las Casas. Die eucharistischen Opfer in den zahlreichen Gottesdiensten sind als Kompensation untauglich und werden von Gott nicht anerkannt, weil die Opfergaben Diebesgut darstellen.

Las Casas zieht die Konsequenzen aus dieser für seinen weiteren Werdegang wegweisenden Erkenntnis und verzichtet öffentlich auf seinen ertragreichen Grundbesitz. In seiner Predigt kritisierte er theologisch die Praxis der Spanier als großes Unrecht und schwerste Sünde und forderte sie auf, seinem Beispiel zu folgen.

Nach seinem Bekehrungserlebnis verweigert sich Las Casas allen militärischen Maßnahmen, gibt seine Hacienda auf und kämpft bis an sein Lebensende gegen den Krieg und für die Menschenrechte der Indios, als Bischof, als juristisch und theologisch gebildeter Verfasser zahlreicher Eingaben an den spanischen Hof und nicht zuletzt als Seelsorger, der eine friedliche Überzeugungsarbeit der Schwertmission vorzog und damit auch zahlreichen Ordensbrüdern ein Beispiel gab. Krieg ist für Las Casas fortan „die miserabelste und abscheulich stinkendste Sache unter dem Himmel“ („bellum autem […] omnium quae sub coelo sunt miserrimum et pestilentissimum est“, Bartolomé de Las Casas, Apología, hrsg. v. Losada, A., in: Castañeda Delgado, P. (Hrsg.): Bartolomé de Las Casas. Obras completas, Bd. 9, Madrid 1988, S. 660 f.). Er verweigert nicht nur die aktive Beteiligung an den kriegerischen Entradas, er missbilligt jede Form gewaltsamen Eindringens in die indianische Welt. Unermüdlich schreibt er gegen den Eroberungskrieg seiner Landsleute, unablässig schickt er Eingaben, Denk- und Bittschriften – so genannte Memoriales – an den spanischen Hof.

An dieser Stelle seien neun Stationen seines politisch-publizistischen Engagements gegen kriegerische Gewalt und Unterdrückung erwähnt.

1. In den Jahren 1518 und 1519 unternimmt Las Casas zahlreiche Reisen durch Spanien, um in diversen Kommissionen über die Lage in den Kolonien zu berichten und für sein pazifistisches Reformprogramm zu werben, dass die unsäglichen Zustände des Encomienda-Systems beenden sollte. Gleichzeitig verfasst er weitere Memoriales an den neuen König Karl I, der ab 1519 als Karl V. auch Deutsch-Römischer Kaiser war; „Memorial de remedios para las Indias“ (Eingabe von Abhilfemaßnahmen für Westindien, 1518) und „Memorial de remedios para Tierra Firme“ (Eingabe von Abhilfemaßnahmen für das Festland, 1518). Seine Bemühungen dringen durch: Karl überlässt im Mai 1520 den Missionaren der Franziskaner und Dominikaner ein 600 km langes Küstengebiet auf dem venezuelanischen Festland. Das Projekt Tierra Firme (Festland) hatte die Missionierung der Küstenregion Venezuelas zum Ziel, scheiterte aber an den Conquistadores, denen man das Land anvertraut hatte (und die daher als Encomenderos in Erscheinung treten; encomendar bedeutet „anvertrauen“). Die Kolonien waren seit 1503, dem Jahr, in dem Königin Isabella I. von Kastilien das erste Encomienda-Gesetz unterschrieb, in kleine Einheiten unterteilt. Jede dieser Einheiten war einem Conquistador unterstellt. In diesem Encomienda-System hatten die Conquistadores – meist verarmte, ungebildete Adlige aus Andalusien, die auf Abenteuer und schnellen Profit aus waren – auf ihren Höfen de facto das absolute Herrschaftsrecht, von dem sie auf grausame Art Gebrauch machten (vgl. T. Eggensperger / U. Engel: Bartolomé de las Casas. Dominikaner, Bischof, Verteidiger der Indios. Mainz 1992, 141).

2. 1531 meldet er sich mit einer Carta al Consejo de Indias („Brief an den Indienrat“) auf der politischen Bühne zurück. Der 1524 gegründete „Indienrat“, ein Gremium ausgesuchter Juristen, hatte (formell) die Leitung der Kolonialverwaltung inne. Inhalt des Briefes ist der Missionsauftrag, der von Papst Alexander VI. als Schenkungsbedingung in der Bulle von 1493 erwähnt ist. Las Casas macht deutlich, dass die Bekehrung der indianischen Bevölkerung vorrangig zu behandeln ist und wirtschaftliche Interessen dahinter zurückstehen müssen. Zur Methodik der Missionierung führt er aus, dass diese gewaltfrei erfolgen soll. 1534 schreibt er erneut an den Indienrat und berichtet über die Erfolge seines pazifistischen Vorgehens (Bartolomé de Las Casas, Cartas y memoriales, hrsg. v. Castañeda Delgado, P. u.a., in: Ders. (Hg.): Bartolomé de Las Casas. Obras completas, Bd. 13, Madrid 1995, S. 70 ff).

3. Las Casas fährt im März 1540 erneut nach Spanien, um beim Hof sein Konzept für ganz Amerika durchzusetzen, wo man seine Vorstellungen mit Wohlwollen aufnimmt. Kaiser Karl setzt 1542 die Junta de Valladolid ein, die eine Gesetzgebung für die Reorganisation der Kolonialverwaltung erarbeiten soll. Las Casas wird in diesem Gremium beratendes Mitglied. Die von der Junta am 20. November 1542 verabschiedeten Leyes Nuevas (Neue Gesetze) tragen deshalb auch seine Handschrift.

4. Diese neuen rechtlichen Rahmenbedingungen stellen Las Casas nur bedingt zufrieden. In einem Memorial al Emperador (Eingabe an den Kaiser) vom 01. März 1543 kritisiert er erstens, dass die Encomiendas nur bei Vakanz und nicht generell verstaatlicht werden, zweitens, dass es nur keine neuen Indio-Sklaven geben sollte und die Aufhebung eines bestehenden Sklavenstatus’ nur bei erwiesener Unrechtmäßigkeit der damaligen Versklavung geschehen sollte und drittens das fehlende Verbot aller militärischen Maßnahmen (Las Casas, Cartas y memoriales, S. 144). Aufgrund dieser Eingabe werden die Leyes Nuevas im Juni 1543 nachgebessert. Doch die Stimmung am spanischen Hof wendet sich wieder gegen Las Casas. Karl V. befand sich im Kriegseinsatz gegen Frankreich und hatte seinem minderjährigen Sohn Philipp als kommissarischen Regenten zwei Befürworter des traditionellen Encomienda-Systems, Francisco de los Cobos und Alfonso García de Loaysa, als Berater zur Seite gestellt, die fortan gegen Las Casas arbeiteten. Dieser wird am 30. März 1544 in Sevilla zum Bischof geweiht, kehrt im Juli des gleichen Jahres nach Amerika zurück und wird Bischof von Chiapas (Mexiko). Bei dem Versuch, die Leyes Nuevas in seinem Amtsbezirk anzuwenden, trifft Las Casas auf erbitterten Widerstand der Kolonialgesellschaft, welche konzertiert gegen die Leyes Nuevas vorgeht und offen rebelliert. In Perú besiegen die Kolonisten unter Gonzalo Pizarro, einem Bruder des Francisco Pizarro, sogar die kaiserlichen Truppen und proklamieren im Januar 1546 ihre Unabhängigkeit, die jedoch nicht lange währt. Am 10. April 1548 wird Pizarro als Hochverräter hingerichtet und die spanische Krone übernimmt wieder die Kontrolle. Da Karl V. sinkende Einnahmen durch abtrünnige Kolonien fürchtet, hebt er die Leyes Nuevas am 20. Oktober 1545 im wesentlichen wieder auf.

5. Las Casas reagiert zunächst mit seinen Confesionarios (Beichthandbücher), in denen er schreibt, dass alle von den Conquistadores geführten Kriege ungerecht gewesen, die Indios ihrer Freiheit und ihrer Güter beraubt worden und dabei der Name Jesu und der christliche Glaube in den Schmutz gezogen worden seien („Son los que cometió en hacer y ayudar a hacer tan grandes daños y males a los indios, inquietándolos, robándolos, matándolos, pivándolos de sus libertades, de sus señoríos, de sus mujeres, de sus hijos y de sus otros bienes, haciendo tantas viudas, tantos huérfanos, infamándolos de que eran bestias, e de las crueldades exquisitas que en ellos hizo e ayudó a hacer, y señaladamente de la infamia e aborrecimiento que ha causado del nombre de Cristo y de su sancta fe. Y de la damnación de las ánimas que, por él matallas antes de tiempo e quitalles el tiempo y espacio de penitencia e de su conversión, están hoy ardiendo en las llamas de los infiernos.“, Las Casas, Tratados de 1552, S. 371). Zum ersten Mal erwähnt er dabei, dass er der Ansicht ist, das Vorgehen der Spanier verstoße nicht nur gegen Naturrecht und göttliches Gebot, sondern auch gegen das Völkerrecht, das er derecho de las gentes (Recht der Völker) nennt („Todas las cosas que se han hecho en todas estas Indias […] ha sido contra todo derecho natural y derecho de las gentes“, Las Casas, Tratados de 1552, S. 375). Danach beschließt er, seinen Kampf in Spanien weiterzuführen und verlässt 1547 Lateinamerika endgültig.

6. In Spanien erarbeitet Las Casas seine juristischen Grundpositionen. In den Treinta proposiciones muy jurídicas („Dreißig Rechtssätze“) postuliert er 1547 ein Herrschaftsmodell, das die Ansprüche der spanischen Krone mit dem Selbstbestimmungsrecht der Indios in Einklang zu bringen versucht. Er schafft damit den Spagat, dem Hof und dem Indienrat zu genügen und den Indios nicht in den Rücken zu fallen. Diesen polittaktischen Erwägungen lässt er eine weiter ausholende Beweisführung folgen, den 1549 fertig gestellten Tratado comprobatorio del imperio soberano („Traktat zur Begründung der souveränen kaiserlichen Herrschaft“). Unter dessen bleibt das Engagement Las Casas’ am Hofe nicht ohne Folgen: Am 16. April 1550 untersagt Karl V. militärische Expeditionen ohne Genehmigung der Krone.

7. Kurz darauf wird eine Junta nach Valladolid einberufen, um die ethischen, theologischen und juristischen Bedingungen der bisherigen Herrschaftspraxis und zukünftiger Expeditionen in noch nicht besetzte Gebiete zu erörtern und dabei insbesondere auf die Methoden zur rechten Glaubensverkündigung sowie auf die rechte Art und Weise der Unterwerfung indianischer Völker einzugehen. Die Junta de Valladolid (1550-52) ist dasjenige Gremium, was sich intensiv und grundsätzlich wie keine Kommission zuvor oder danach mit der Rechtmäßigkeit der spanischen Conquista beschäftigt. Dabei wird der Disput zu einer Auseinandersetzung der beiden Protagonisten Bartolomé de Las Casas und Juan Ginés de Sepúlveda, in dem letzterer sein Konzept des bellum iustum zur Rechtfertigung der spanischen Kriege in Amerika vertritt und Las Casas ihn mit seiner Antwort zu widerlegen versucht. Der Disput endet ergebnislos, die Junta kann sich nicht auf eine der beiden Positionen einigen.

8. Das unbefriedigende Ergebnis der Junta provoziert Las Casas zu seinem letzten großen politischen Kampf. Er publiziert auf der Grundlage der Thesen seines Traktats Principia Quaedam („Einige Rechtsprinzipien zur Behandlung der westindischen Frage“) sein berühmtes staatsphilosophisches Werk De regia potestate („Traktat über die königliche Gewalt“), indem er die Unrechtmäßigkeit des Ansinnens einer Encomienda perpetua damit begründet, dass der König nicht Teile seines Reiches oder seiner Untertanen an andere verkaufen darf (Hintergrund: Die peruanischen Encomenderos hatten der in Finanznöten befindlichen Krone eine einmalige „Ablöse“ von acht Millionen Pesos für die Übernahme des Vizekönigreichs geboten). Vielmehr müsse der Regent den Willen seiner Untertanen tun und die natürliche Freiheit der Völker respektieren.

9. Bartolomé de la Vega, ein Ordensbruder, der wie viele andere Dominikaner Las Casas Schriften mit Aufmerksamkeit und Zustimmung gelesen hatte, verfasste 1562 eine Schrift, in der er zwölf „Zweifelsfälle“ formulierte, die das Verhalten der Conquistadores betrafen. Diese legte er Las Casas zur Lösung vor. Die Antwort folgte ein Jahr später mit dem Traktat De las doce dudas. Der mittlerweile fast 80jährige Las Casas fasst in ausführlichen Erörterungen sein kolonialkritisch-pazifistisches Denken zusammen. Scharf kritisiert er die Conquista und droht den Verantwortlichen im Stile einer apokalyptischen Bußpredigt mit der Strafe Gottes und dem Verlust des Seelenheils. In dem Widmungsbrief an Philipp II. droht Las Casas gar mit der Zerstörung Spaniens. Gott werde das Land strafen wie zuvor nur Babylon. Den Regenten schont er unterdessen und stellt ihn als ahnungsloses Opfer der Conquistadores und Encomenderos hin. Er möchte ihm „neue, bedeutende Wahrheiten“ (Bartolomé de Las Casas, Deutsche Werkauswahl, Bd. 3.2 (Sozialethische und staatsrechtliche Schriften), hrsg. v. Delgado, M., Paderborn 1996, S. 264) offenbaren: „E.M. [Eure Majestät, J.B.] werden durch sie den Treubruch und Betrug erkennen, dem die Könige, ihre Vorgänger, wie Ihre eigene königliche Person und Ihr Stand seit so vielen Jahren erlagen“ (Las Casas, Deutsche Werkauswahl, S. 265). Er plädiert für das Selbstbestimmungsrecht der indianischen Kommunitäten, für politische und wirtschaftliche Restitution und für ein Ende der Gewalt in all ihren Formen. Ein letztes Mal zeigt sich seine große Skepsis gegenüber der Legitimation des Eroberungskriegs an vielen Stellen der Schrift. Einige besonders markante Thesen stellt er den Erläuterung als Prinzipien voran, etwa die Ablehnung der Conquista als notwendige militärische Flankierung der Mission im Kontext des zweiten Prinzips: Mit Bartolus von Sassoferrato verweist Las Casas darauf, dass es keinen Krieg allein aus Gründen der christlichen Mission geben darf, also ohne ein zusätzliches Vergehen oder die Unterstützung eines solchen Vergehens. Las Casas verweist auf Bartolus’ Kommentar zum Codex 1, 11, 6 (CICiv. 2/63), nach dem es gegen die Mauren ohne deren Besetzung des Heiligen Landes keinen Krieg geben dürfte und auch die Türken kein rechtmäßiger Kriegsgegner wären, behinderten sie nicht den Durchmarsch christlicher Heere zur Befreiung des Heiligen Landes. Las Casas Folgerung daraus ist eindeutig: Wenn die Christenheit schon gegen die feindseligen und brutalen Türken gerechter Weise keinen Religionskrieg führen dürfe, sondern sie lieben solle, um wie viel mehr muss das Liebesgebot und die Friedfertigkeit den Indios gegenüber gelten, die den Christen noch nie etwas Böses angetan haben. Die beliebte Rhetorik der Kolonisten um Sepúlveda, wonach sich die Conquista in Lateinamerika mit den Türkenkriegen in Europa vergleichen, ja sogar in einen kausalen Zusammenhang bringen lasse, ist demnach nicht ohne Widerspruch zu geltendem Recht möglich. Doch Las Casas belässt es nicht bei theoretischen Überlegungen zur widerrechtlichen Argumentation der Kriegsbefürworter. Im achten Prinzip – im „Kernstück des Traktats“ (Las Casas, Deutsche Werkauswahl, S. 324, Anm. 132) – klagt er sehr konkret Taten und Täter an: „Mindestens seit fünfzig Jahren bis heute, also dem Jahr 1563, in dem wir uns durch die Güte Gottes befinden, hat es in ganz Westindien keinen [spanischen] Menschen gegeben, – und es gibt ihn heute noch viel weniger –, der sich mit seinem guten Glauben bezüglich der vier folgenden Sachverhalte herausreden könnte: Erstens bezüglich der Kriege […], zweitens bezüglich der bewaffneten Überfälle, […], drittens bezüglich des Handels mit […] versklavten Indios und viertens bezüglich der Waren, die man den Kriegführenden verkaufte“ (Las Casas, Deutsche Werkauswahl, S. 324). Das ganze Kolonialsystem wird hier mit großer Klarheit an den Pranger gestellt und die Schuldigen werden deutlich beim Namen genannt: die spanischen Kolonialherren. So sieht es aus. Und nicht anders.

7. Die Dominikaner-Opposition III – Rezeption des lascasianischen Wirkens

Nur ein Einzelfall! So höre ich schon jetzt den Einwand. Doch das stimmt so nicht. Die friedensethische Haltung des Las Casas verbreitete sich rasch unter den Dominikanern in den Kolonien. Doch drohte die Zustimmung bei den Missionaren durch die um 1565 ausbrechenden nativistischen Aufstände in Taki Onqoy, bei denen zum Kampf gegen die Kirche aufgerufen wurde, zu Ungunsten der Indios zu schwinden. Pierre Duviols verweist darauf, dass diese Aufstände viele Dominikaner, die in Peru wirkten und die grundsätzlich den Thesen des Las Casas anhingen, in ihrer pazifistischen, pro-indianischen Haltung verunsicherten. Man kann sogar davon sprechen, dass dieser Aufstand eine Zäsur in der Las Casas-Rezeption seitens seiner Ordensbrüder darstellt, die seine Auffassung vom Erfolg der friedlich-sanftmütigen Mission im Lichte der Ereignisse von Taki Onqoy zunehmend kritisch betrachteten. Dies gipfelte schließlich in der Forderung nach Einführung der Inquisition in Peru, die man für nötig hielt, um die Anführer der Aufständischen effizienter verfolgen zu können, wie der einstige Las Casas-Verehrer Francisco de la Cruz in einem Brief an Philipp II. vom 25. Januar 1566 schrieb. Ferner provozierten die Ereignisse das Kolonialsystem zu einer eigenen Reaktion, die nicht lange auf sich warten ließ. Man wusste die Gunst der Stunde zu nutzen, um Las Casas’ Wirkung zu schwächen.

Im August 1566, kurz nach dem Tode Las Casas’, bat Kardinal Diego de Espinosa den Geistlichen Luis Sánchez, einen ehemaligen Mitarbeiter des von Las Casas beeinflussten Bischofs von Popayán (Mexiko), Juan del Valle, um die Verfassung einer auf der lascasianischen Eingabe De las doce dudas beruhenden Denkschrift, die als Grundlage für die Arbeit einer großen Expertenrunde dienen könnte – offenbar suchte man nach einer abgeschwächten Fassung. So ist denn Sánchez’ Denkschrift zwar ebenfalls kolonialkritisch, weicht aber in drei entscheidenden Punkten von der Position des Las Casas ab: Erstens sind bei ihm die indianischen Könige nicht „natürliche Herren“, zweitens sind seiner Ansicht nach der spanische König und der Indienrat nicht verantwortlich für die Verbrechen, sondern nur die Conquistadores und Encomenderos persönlich, insbesondere bestehe also keine kollektive Restitutionspflicht der Krone und drittens lehnt er die These des Las Casas ab, der spanische König habe nur in potentia, nicht jedoch in actu die Oberherrschaft über Westindien, solange die Restitution nicht vollzogen sei. Mit diesen Änderung war dem Traktat des Las Casas „die Spitze genommen“ (Mariano Delgado, Las Casas und Peru I. Der Traum von Gerechtigkeit und Recht zwischen Indios und Spaniern, in: Ders. (Hg.): Bartolomé de Las Casas. Deutsche Werkauswahl, Bd. 3.2 (Sozialethische und staatsrechtliche Schriften), Paderborn 1996, S. 260).

Um Las Casas’ Wirkung in den Kolonien weiter zu schwächen, ließ Vizekönig Francisco de Toledo 1572 ein „Anti Las Casas-Pamphlet“ erstellen, das als „Gutachten von Yucay“ oder „Denkschrift von Yucay“ bekannt wurde. Die Autorenschaft ist bis heute nicht eindeutig geklärt, vermutlich aber hat der Dominikaner García de Toledo, ein Vetter des Vizekönigs, federführend an der Erstellung des Traktats mitgewirkt. Darin reagiert die Führung der Kolonialgesellschaft auf Las Casas: Während dieser das natürliche Herrschaftsrecht der Inkas verteidigt hat, bestreitet die Denkschrift, dass es vor der Ankunft der Spanier einen universalen oder partikularen Herrn der Indios gegeben habe. Während Las Casas die Goldgier der Spanier vehement kritisiert und als Ursache für die Missstände anführt, wird in der Denkschrift eine „Soteriologie des Goldes“ entwickelt, die mit einer Geschichte von zwei Töchtern illustriert wird: Die eine Tochter ist klug und hübsch, die andere dumm und hässlich. Ihr reicher Vater steht vor der Frage, wie er seine Habe am geschicktesten verteilen solle. Er begünstigt die dumme und hässliche Tochter über alle Maßen, mit der Begründung, die andere werde schon aufgrund ihrer Klugheit und Schönheit zurechtkommen und einen Mann finden, die Dumme und Hässliche aber müsse er mit einer attraktiven Mitgift versehen, um ihre Chancen zu steigern. Damit war gleichsam die in Spanien, der „klugen und schönen Tochter“, vermehrt aufkommende Frage, warum den Gott, der „reiche Vater“, nicht ihnen als christliche Nation soviel Gold geschenkt habe wie den Indios in Peru, der „dummen und hässlichen Tochter“, beantwortet: Um sich mit Jesus, dem Bräutigam, vermählen zu können, brauchte es nur die Klugheit und Schönheit der Spanier, die aufgrund ihrer Disposition sogleich auf die apostolischen Bekehrungsbemühungen reagierten und den Glauben annahmen. Damit sich allerdings die „Tochter Peru“ mit Jesus vermählen könne, sei es nötig, dass die Indios ihre Edelmetalle als „Aussteuer“ abgeben, um damit am Heilwerk Gottes ihren Anteil zu erlangen. Mit diesem ganz und gar unbiblischen Gedanken einer materiellen Gegenleistung für missionarische Dienste bzw. die Erlangung des Seelenheils in Christus sollte Las Casas widerlegt werden, der den Indios ein rechtmäßiges Eigentum an ihrem Gold zubilligte. Im Ergebnis wurde mit der „Denkschrift von Yucay“ der friedlichen Koexistenz nach erfolgter Restitution, wie dies nach Las Casas auch anderen Dominikanern vorschwebte, eine deutliche Absage erteilt.

8. Schlussbemerkungen

Nicht alles, was Missionare taten, war immer gut – das würde kein vernünftiger Mensch behaupten, aber: Wenn sie sich änderten, wenn sie umkehrten, dann in der Kraft des Glaubens und im Geiste der „Ideologie“ des Christentums. Das Paradebeispiel: Las Casas. Der lebt zunächst ein Conquistadoren-, kein Missionarsleben. Dass man hier unterscheiden kann und muss, wird an der Lebenswende deutlich, die Las Casas Biographie prägt.

Wo Umkehr und Abkehr möglich sind, ist Differenzierung nötig. Ausreichend differenzieren. Korrekt kontextualisieren. Richtig gewichten. Das sind Maßnahmen einer redlichen Geschichtsschreibung. Ist diese interessegeleitet oder stark emotionalisiert, dann besteht immer die Gefahr, tendenziös zu werden. Auch ich stehe in dieser Gefahr. Umso sorgfältiger muss ich arbeiten. Ich hoffe, das ist mir bis hierhin einigermaßen gelungen.

Für wenig gelungen halte ich indes abstruse Vergleiche, wie diesen des Blogbeitrag-Verfassers: Die Mönche und Priester, die kurz nach dem Fall von Tenochtitlán 1523 ins Land kamen, trieben die spirituelle und kulturelle Unterwerfung voran und vernichteten die einheimischen Kulturen und Lebensformen mit einer Wut und Gründlichkeit, neben der die Taliban rosige Chorbübchen sind.

Mönche und Priester ? Dann auch noch ganz allein? Na, dann passt es wenigstens zu den Taliban – Katholiban. Wie originell. Obwohl: Man kann eigentlich nur hoffen, dass das stimmt. Denn der politische Islam braucht Menschen wie Antonio Montesino und Bartolomé de Las Casas. Dringend. Und einen Papst Paul III., der die Versklavung von Menschen verbietet, diesmal die von Jesidinnen und Jesiden, von Christinnen und Christen.

Morgen (oder übermorgen, mal sehen) geht es weiter. Mit Teil 2.

(Josef Bordat)

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