Mexiko und die Katholische Kirche III

18. Februar 2016


Teil 3: Sonstiges

Wenn Sie wissen wollen, wie es zu diesem Text kam, lesen Sie bitte die Vorbemerkungen“ zu Teil 1 des Dreiteilers Mexiko und die Katholische Kirche. In Teil 3 nur noch in aller Kürze drei Punkte, die mir besonders aufgefallen sind.

1. Die allzu mächtigen Jesuiten“

Der Verfasser des Blogbeitrags schreibt: „Ende des 18. Jahrhunderts regte sich erster Widerstand gegen die katholische Kirche, als die Bourbonen die allzu mächtigen Jesuiten aus ihren Kolonien verbannten; aber die Kirche tat alles, um ihre Macht und ihre Güter zu sichern.“

Kann man allen Ernstes die Geschichte so zusammenfassen, wenn man doch weiß, dass man damit auch an das vorläufige Ende des Jesuitenordens und das endgültige Ende der Reducciones anknüpft? Die Jesuiten wurden 1759 aus Portugal, 1764 aus Frankreich und 1767 aus  Spanien vertrieben. Die in Amerika tätigen Jesuiten wurden verhaftet und von heute auf morgen nach Europa verbracht. Die in den Reducciones lebenden Indios wurden mit brutaler Gewalt vertrieben.

Die allzu mächtigen Jesuiten“ hatten sie schützen und ihnen Bildung und den christlichen Glauben vermitteln wollen. Dazu schufen sie die Reducciones, in denen über anderthalb Jahrhunderte hinweg hunderttausende Indios friedlich und respektvoll missioniert und ausgebildet wurden. Dass auch das Scheitern dieses Projekts aufgrund rücksichtsloser Machtpolitik vom Verfasser geradezu gefeiert wird (als Widerstand gegen die katholische Kirche“) stellt die Dinge auf den Kopf und offenbart ein sehr fragwürdiges Welt- und Menschenbild hinter dem nur halbherzig als Kritik“ getarnten Hass auf die Kirche.

2. Die natürliche“ Quelle des Kirchenkritikers“

Hass auf die Kirche das war nach eigener Auskunft das Motiv für Karlheinz Deschner, sich jahrelang mit Kirchengeschichte zu befassen. Kein wirklich redliches Forschungsinteresse: Hass. Das Interesse (und das, was aufgrund dessen im Ergebnis der Forschungsarbeit stand) hat dazu geführt, dass Deschner in der akademischen Kirchengeschichte nicht ernstgenommen wird. Dennoch ist die Haltung unter Vertretern nicht-akademischer Kirchengeschichte sehr weit verbreitet: Lass mich mit deinen Fakten in Ruhe – ich kenne meinen Deschner und der reicht mir!“ Dass der Verfasser in seinem Blogbeitrag „natürlich“ auf Karlheinz Deschner hinweist, passt insoweit gut ins Bild. Hass jedoch dabei bleibe ich ist kein guter Ratgeber.

3. Franziskus‘ reaktionäre Agenda“

Man merkt’s. Denn die Kritik wird zum Ende hin immer skurriler. Der Verfasser schreibt: „Vom hart erkämpften mexikanischen Laizismus ist heute nicht mehr viel übrig, die mexikanischen Politiker werden dem Papst um seinen nicht vorhandenen Bart gehen wie noch nie. Auch wenn die Zahl der Gläubigen abnimmt, wird dieser Besuch den politischen Einfluss der katholischen Kirche in Mexiko weiter festigen: In unserer Mediokratie hat der allein durch die Macht der Bilder aufgebaute Papst ganz neue Mittel, Druck auf gewählte Regierungen auszuüben und seine reaktionäre Agenda durchzusetzen.“

Zunächst kämpfte man in Mexiko zwar nicht für einen Laizismus, sondern für eine Staatskirche (also für das glatte Gegenteil), aber das soll jetzt keine Rolle spielen. Es geht mir um das Unverständnis dafür, dass die Kirche in Mexiko immer noch ankommt und der Papst mit „ganz neue[n] Mitteln“ großen „Druck auf gewählte Regierungen [ausübt]“. Die Mittel sind dabei die Medien, die er schamlos nutzt. Schon dreist von diesem Papst, dass er dem Fernsehen die Übertragungen nicht verbietet (obwohl: was würde der Verfasser dann schreiben?). Und „gewählte Regierungen“ hat man auch nicht einfach so vor laufender Kamera zu kritisieren, wenn man katholisch ist. Wo kämen wir da hin?

Im Klartext: Selbst aus der Tatsache, dass nicht alle Mexikaner die Kirche gleichermaßen ablehnen wie der Verfasser, ja, selbst aus der medialen Rezeption eines Papstbesuchs, dreht er der Kirche einen Strick. Das ist lustig, vermutlich aber ebenso ernst gemeint wie die Charakterisierung Papst Franziskus‘ als reaktionär“. Obwohl: Das ist wirklich witzig, gemessen an den Einlassungen des Heiligen Vaters während seiner Mexiko-Reise gerade auch gegenüber dem mexikanischen Episkopat.

Der allerallergrößte Witz ist am Ende des Tages aber, dass und wenn jemand, der sich so ernst- und gewissenhaft gegen die Einmischung europäischer Mächte (also: der Kirche“) wendet, sich zugleich derart als privater Kulturimperialist aufführt und als solcher so gar nicht verstehen kann, dass und warum Mexiko den Papst willkommen heißt. Da werden alle, die anderer Meinung sind, kurzerhand zu medial Verblendeten. Nur man selbst steht außen vor und guckt sich das Ganze kopfschüttelnd an. Streicht man das Moment der medialen Vermittlung, ist genau das die Haltung der Conquistadores: ein von Unverständnis und Intoleranz gespeister Überlegenheitsdünkel.

Doch der Verfasser kann erleichtert aufatmen: Papst Franziskus ist wieder in Rom.

(Josef Bordat)

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