Bindung an Gott. Freiheit im Christentum

26. Februar 2016


Paulus schreibt den Galatern: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“ (Gal 5, 1). Freiheit kommt im Christentum also „von außen“, von Gott. Es ist keine Freiheit, die sich in Unabhängigkeit erschöpft, sondern eine Freiheit in bejahter Abhängigkeit, es ist weniger eine „Freiheit von“, sondern eine „Freiheit zu“. Freiheit ist in diesem Sinne keine Optionenvielfalt, sondern eine bewusste Bindung des Menschen an Gott als eine besondere Form der Selbstbindung, die man eingeht, um lebensfähig zu sein. Das ist vernünftig.

Warum aber ist gerade die Bindung an Gott, an Christus ein Ausdruck von Freiheit? Der Trierer Bischof Stephan Ackermann meinte dazu einmal: „Um uns wirklich zu befreien, braucht es den, der wirklich frei ist, nicht gefesselt an sich selbst, sondern ganz frei aus der Freiheit Gottes selbst heraus: der Sohn Gottes.“ Der Mensch wird frei durch die Bindung an Gott. Das lässt sich christologisch begründen, wie Bischof Ackermann das tut, das lässt sich aber auch schöpfungstheologisch begründen.

Gott hat den Menschen nach Seinem Bilde geschaffen und ihm von Seiner Vernunft und Seiner Freiheit gegeben. Es ist die Vernunft, die Verbindung von Schöpfer und Geschöpf zu erkennen und anzuerkennen, es ist die Freiheit, sie in Frage zu stellen. Das allein ergäbe ein ewiges Hin und Her von Zu- und Abwendung. Für die stabile Beziehung von Gott und Mensch sorgt etwas, das jenseits der Einsicht Verständnis schafft, das auch in der Bindung befreit: die Liebe, das feste Band, das nicht einschnürt, sondern löst.

Da sind wir uns vielleicht noch einig. Viele Menschen haben aber für dieses Verständnis von Freiheit kein Verständnis. Wie kann etwas befreien, das bindet? Wie kann Freiheit dadurch entstehen, dass man Entscheidungsspielräume einengt (und das ist sicher nach der Entscheidung für ein Leben im Glauben der Fall – sollte es zumindest)? Wie passt das zusammen?

Nun, es gehört gewissermaßen zur Konstitution der Freiheit, dass sie paradoxerweise eine bedingte sein muss, um überhaupt eine wirksame zu sein. Absolute Freiheit gibt es nicht, zumindest nicht als spürbare Freiheit. Freiheit ist daher nicht primär die Frage nach einem absolut freien Willen und unendlichen Entscheidungsmöglichkeiten, sondern ein Begreifen der paradoxen Freiheitserfahrung als Differenz von Freiheit und Unfreiheit im Rahmen universeller Bedingtheit. Und aus diesem Rahmen kann Niemand fallen. Auch der nicht, der meint, sich durch die Entscheidung gegen den Glauben eine Freiheit zu sichern, die dem Gläubigen abgeht. Für ihn ergeben sich eben andere Bedingungen.

Und das ist ja auch gut so, denn lebbare Freiheit braucht Bedingtheit. Bloß zeigt sich die Qualität der Freiheit an der Qualität dessen, an das man sich bindet. Oder: an den man sich bindet. Und da fahren wir Christen mit dem Gott der Bibel sehr gut, einem Gott, der sich – aus absoluter Freiheit – um des Menschen willen in ganz eigener Manier selbst dem Prinzip der Freiheit durch Bindung unterwirft – und in Christus ein Mensch wird, der sich binden lässt. Und dadurch befreit.

(Josef Bordat)

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