Ich will tanzen!

24. März 2016


Eigentlich tanze ich nie. Kann ich gar nicht. Will ich auch nicht. Also: können. Ich will es nicht können. Aber ich will es dürfen! Vor allem, wenn ich es nicht tun soll. Obwohl ich also nie tanze, juckt es mich ab Gründonnerstagabend gewaltig unter den Fußsohlen. Mein Denken wird ab dann für 36 Stunden nur noch von einem Mantra beherrscht: Ich will tanzen! Danach legt sich der Anfall wieder. Aber diese 36 Stunden sind grauenhaft. Das kann ich Ihnen sagen!

Ja. Ich will tanzen. Aber ich darf nicht! Die Macht der Kirche nimmt mir das Menschenrecht auf Bewegung meines Körpers zu Musik. Ich werde diskriminiert! In meiner Freiheit eingeschränkt, in meinem Selbstbestimmungsrecht beschnitten! Ich leide! Jahr für Jahr wird mein gepeinigter, geschundener Leib gewaltsam in den Sessel gepresst und muss regungslos das Ende des Tanzverbots abwarten. Jawohl: Tanzverbot! Die Kirche verbietet das Tanzen an Karfreitag unter Androhung von Folter.

Wie bitte? Um die Kirche geht es gar nicht? Sondern um gesellschaftliche Konventionen? Stille Tage? Am Volkstrauertag darf auch nicht getanzt werden? Jetzt lenken Sie mal nicht ab, ja! Daran sieht man doch, wie groß die Macht der Kirche ist: Sie muss gar nicht in Erscheinung treten und trotzdem tanzen – Entschuldigung! – alle nach ihrer Pfeife. Außerdem: Wessen soll denn am Volkstrauertag gedacht werden? Hm? Der Opfer der Weltkriege! Und wer hat die angezettelt?! Voilà!

Nein, nein – wenn wir nicht wollen, dass uns morgen vom Papst das Atmen verboten wird, müssen wir uns heute wehren! Ergo: Ich werde tanzen! Kann mir doch keiner verbieten! Schon gar nicht die Kirche! Also, was ist: Tanzen Sie mit? Was: Sie tanzen nie? Spielt doch keine Rolle! Jetzt geben Sie sich einen Ruck, Mensch! Sie haben ja dann wieder ein ganzes Jahr Ruhe. Aber an Karfreitag wird getanzt – verstanden?!

(Josef Bordat)

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