Der Bildungsbischof

4. April 2016


Für Dori.

Der Tagesheilige Isidor von Sevilla (560-636) war ein frühmittelalterlicher spanischer Gelehrter und in seinem Wissensdrang ein Vorläufer der Enzyklopädisten der Aufklärung. Ganz nebenbei war Isidor übrigens noch Bischof (als Nachfolger seines älteren Bruders Leander) und vertrat die (immer noch) junge Kirche im Kampf gegen den Arianismus während dessen westgotischer Blütezeit.

Sein Hauptwerk ist das zwanzig Bände umfassende „Etymologiarum sive originum“, eine Art Realenzyklopädie, die das Wissen des Frühen Mittelalters zusammenfasste. Dazu gehört übrigens auch das Wissen um die kugelförmige Gestalt der Erde – Isidor nennt unseren Planeten pila (Ball).

Als Handbuch für die Studenten des Mittelalters blieben die Etymologiae über Jahrhunderte hinweg ein wichtiges Nachschlagewerk. Um es deutlich zu sagen: Im Mittelalter gab es keine akademische Bildung ohne Isidors Hilfe. Sein Einsatz für Wissenschaft und Bildung kann daher gar nicht hoch genug bewertet werden.

Auch eine posthume interkulturelle Ausstrahlung sagt man Isidor nach: Die Überführung seiner Gebeine von Sevilla nach León im Jahre 1063 wurde vom damals in Andalusien herrschenden Kalifen ausdrücklich befürwortet. „Wisset, dass eure Sache auch die unsre ist“, soll er zu dem Projekt König Ferdinands I. gesagt haben. So gelangten die Gebeine Isidors unter großer Anteilnahme der Bevölkerung nach León.

Isidor beschließt als letzter abendländischer Kirchenvater die Patristik. Er wurde 1598 heilig gesprochen und 1722 zum Kirchenlehrer ernannt. Er ist zudem spanischer Nationalheiliger. Isidor ist seit 2001 auch Patron des Internet.*

Allen Isidors meinen herzlichen Glückwunsch zum Namenstag, besonders Dir, lieber Dori!

(Josef Bordat)

* Ich danke Claudia Sperlich für den Hinweis!

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