Olympia 2.0

6. April 2016


Vor 120 Jahren wurden in Athen die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit eröffnet.

Olympische Spiele wurden in der Antike seit 776 v. Chr. als Abschluss einer Olympiade (ein Zeitraum von mehreren Jahren) zu Ehren der hellenischen Götter gefeiert. Voraussetzung für ein unbeschwertes Fest und nicht zuletzt, um den Athleten überhaupt die sichere An- und Abreise zu den Wettkampfstätten in Olympia zu ermöglichen, war die olympische Waffenruhe (óλυμπιακή έκεχειρία), die als ausdrücklicher Gottesfriede in einem Abkommen griechischer Stämme bereits 884 v. Chr. verstetigt wurde und eine proto-völkerrechtliche Dimension hatte.

In der Geschichte der Olympischen Spiele der Neuzeit, die heute vor 120 Jahren begann, war es dann nicht mehr so, dass eine Waffenruhe eingehalten wurde, um die Spiele zu ermöglichen, sondern gerade umgekehrt: Der Krieg verhinderte drei mal die Austragung des Sportfestes. Zunächst 1916 (wegen des Ersten Weltkriegs; geplant war die Austragung in Berlin) und dann – wegen des Zweiten Weltkriegs – in den Jahren 1940 und 1944. Um den Gedanken des Olympischen Friedens zu erneuern, hat das Internationale Olympische Komitee im Jahre 2000 die Stiftung für den Olympischen Frieden ins Leben gerufen.

Doch es ist mehr fraglich, ob im Sommer die Waffen schweigen werden, wenn in Rio das größte Sportfest der Welt seinen Lauf nimmt. Olympische Spiele – das sind heute in erster Linie gigantische Show-Veranstaltungen, die auf Stimmungserzeugung ausgerichtet sind, wie Sportphilosoph Gunter Gebauer meint. Er weist darauf hin, dass Pierre de Coubertin, der Begründer des neuzeitlichen Olympia, ein großer Anhänger Richard Wagners gewesen sei. Olympische Spiele sind heute keine religiösen, sondern vor allem ökonomische Ereignisse mit quasireligiösem Überbau, einer pompösen Inszenierung, die den modernen Menschen für einen kurzen magischen Moment erhebt. Offenbar braucht er das.

(Josef Bordat)

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