Der Geist und das Konzil

27. April 2016


„Die Apostel und die Ältesten traten zusammen, um die Frage zu prüfen“ (Apg 15, 6), heißt es heute recht nüchtern am Ende der Tageslesung (Apg 15, 1-6). Beschrieben wird damit nichts weniger als das erste Konzil der Kirchengeschichte, das so genannte Apostelkonzil.

Die Unterscheidung zwischen den Christen, die vom Judentum her den neuen Glauben angenommen hatten (den Judenchristen) und denen, die als Heiden zum Glauben an Christus kamen (den Heidenchristen) markiert den Grundkonflikt der jungen Christenheit. Mit der gleichberechtigten Teilhabe der Heidenchristen am Erlösungswerk ist die Abgrenzung zum Judentum vollzogen: das Christentum ist keine jüdische Sekte, sondern eine neue Religion mit einem veränderten Gottesbild. Jeder Mensch kann über Jesus zu Gott kommen, ohne Bedingungen und Voraussetzungen. Ob das tatsächlich der Wille Gottes ist, war in der Urgemeinde umstritten. So „erhoben sich einige aus dem Kreis der Pharisäer, die gläubig geworden waren, und sagten: Man muss sie beschneiden und von ihnen fordern, am Gesetz des Mose festzuhalten“ (Apg 15, 5).

Das Apostelkonzil von Jerusalem war ein Treffen der Jünger Jesu um das Jahr 45, bei dem die Hauptstreitfrage zwischen den Judenchristen (vertreten durch Petrus, Jakobus und Johannes) und den Heidenchristen (vertreten durch Paulus) geklärt wurde, ob es den direkten Weg der Heiden zur Christengemeinde geben kann (durch die Taufe) oder ob die Heiden zuvor erst Juden werden, sich also beschneiden lassen müssten und auch sonst „am Gesetz des Mose festzuhalten“ hätten. Das Konzil entschied sich für die Gleichberechtigung von Juden- und Heidenchristen und bewirkte so die sichtbare Eigenständigkeit des Christentums. Es ebnete damit den Weg für die Völkermission in Europa und legte den Grundstein zur kulturübergreifenden Universalkirche.

Während Paulus nach dem Konzil lehrte, die Jüdischen Gesetze hätten keine Bedeutung für Christen, schreibt die Jerusalemer Gemeinde (vermutlich auf Initiative des Jakobus) einen Brief an die Gemeinde in Antiochia, in der ihren Mitgliedern die Einhaltung von einigen als grundlegend erachteten Reinheits- und Speisevorschriften geboten wird (Apg 15, 22-29), um den Frieden in der Gemeinde nicht zu gefährden. Diese Minimalforderungen werden Jakobusklauseln genannt.

Paulus lehnt auch diese Restbestände an rituellen Regeln explizit ab und betont im Ersten Korintherbrief mehrmals deren Hinfälligkeit (1 Kor 8, 1-13 und 1 Kor 10, 14-33). Andererseits empfiehlt er den Heidenchristen der Gemeinden in Korinth und auch in Rom (die Paulus ob ihrer inneren Freiheit von der rituellen Form für die eigentlich „starken“ Christen hält) zur Wahrung der Einheit die Spreisevorschriften freiwillig einzuhalten, um die „schwachen“ Judenchristen, die derartige Regeln brauchen, nicht im Glauben zu gefährden und aus der Gemeinde zu treiben („Reiß nicht wegen einer Speise das Werk Gottes nieder! Alle Dinge sind rein; schlecht ist es jedoch, wenn ein Mensch durch sein Essen dem Bruder Anstoß gibt. Es ist nicht gut, Fleisch zu essen oder Wein zu trinken oder sonst etwas zu tun, wenn dein Bruder daran Anstoß nimmt“, Röm 14, 20-21).

Das Apostelkonzil von Jerusalem verwandte zur Bekräftigung der Beschlüsse die Formel „Der Heilige Geist und wir haben beschlossen“ (Apg 15, 28). Der Heilige Geist und wir – das ist die Kirche, von Beginn an. Der Heilige Geist lenkt und leitet, doch wir müssen Ihm folgen. Das geschieht immer dann, wenn in der Kirche die Liebe wirkt.

(Josef Bordat)

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