San Nicolás

28. April 2016


Wer das Glück hat, Valencia zu besuchen, sollte sich die San Nicolás-Kirche ansehen. Sie ist auch dem Heiligen Nikolaus von Myra geweiht, der hier San Nicolás de Bari heißt (des Rätsels Lösung: in Bari liegen seine Gebeine). Auch – weil sie zudem San Pedro Mártir geweiht ist, so dass ihr offizieller Name lautet: Iglesia de San Nicolás de Bari y San Pedro Mártir. Bekannt ist sie jedoch schlicht als San Nicolás.

Der Heilige Nikolaus. Bild im Eingangsbereich der Kirche. - Foto: JoBo, 4-2016.

Der Heilige Nikolaus. Gemälde im Eingangsbereich der Kirche. – Foto: JoBo, 4-2016.

In der Kirche sind frisch restaurierte Deckenfresken zu sehen, in einer Größe von etwa 1900 Quatratmetern.

Deckenfresken. - Foto: JoBo, 4-2016.

Deckenfresken. – Foto: JoBo, 4-2016.

Die Decke ist damit mehr als doppelt so groß wie die der Sixtinischen Kapelle, mit der San Nicolás gerne verglichen wird.

Deckenfresken. - Foto: JoBo, 4-2016.

Deckenfresken. – Foto: JoBo, 4-2016.

Die Restauration der Deckenfresken nahm rund zwei Jahre in Anspruch und wurde im Frühjahr abgeschlossen. Zuvor hatten Experten der Polytechnischen Hochschule Valencia die Kunstwerke mit Hilfe modernster Technik gereinigt und – wo nötig – wiederhergestellt.

Deckenfresken. - Foto: JoBo, 4-2016.

Deckenfresken. – Foto: JoBo, 4-2016.

Im Herbst des letzten Jahres legten die Restauratoren zudem ein von einer Holzplatte verdecktes Gemälde im Eingangsbereich frei, das aus dem 16. Jahrhundert stammen soll. Es zeigt eine Frau mit Tiara, die ein Kreuz im Arm hält und stolz eine Kirche gen Himmel streckt: Ecclesia triumphans.

Frau mit Tiara. - Foto: JoBo, 4-2016.

Frau mit Tiara. – Foto: JoBo, 4-2016.

Ihr Gesicht war zerkratzt. Dies und die Tatsache, dass es offenbar ganz bewusst versteckt wurde (was ja auch ganz gut gelangt, da es über Jahrhunderte unentdeckt blieb), legen den Schluss nahe, dass es irgendwann in den vergangenen 500 Jahren Kirchenverantwortliche gegeben haben muss, die die Botschaft des Bildes missverstanden haben. Es geht nicht um einen weiblichen Papst oder um eine Schmähung des Papsttums, sondern um eine Allegorie auf die Mutter Kirche, die Braut Christi, die nun mal weiblich konnotiert ist.

Alles so schön bunt hier. - Foto: JoBo, 4-2016.

Alles so schön bunt hier. – Foto: JoBo, 4-2016.

Eine weitere Anekdote, die sich um San Nicolás rankt, betrifft einen Pfarrer, der Papst wird – und auch als Papst Pfarrer blieb: Alonso de Borja – Papst Calixtus III., einer der beiden Päpste aus dem berühmt-berüchtigten Adelsgeschlecht (neben Rodrigo de Borja – Papst Alexander VI.).

Los Borja. Still watching you! - Foto: JoBo, 4-2016.

Los Borja. Still watching you! – Foto: JoBo, 4-2016.

Calixtus gab nach seiner Wahl zum Papst das Pfarreramt in der Gemeinde San Nicolás offiziell nie auf. Das kann man heimatverbunden nennen. Oder bodenständig. Ohnehin fiel Calixtus als Kirchenmann für Renaissance-Verhältnisse sehr positiv auf: klug, engagiert, fromm, bescheiden, kinderlos. Nicht alle Hirten waren damals so.

Hochaltar. - Foto: JoBo, 4-2016.

Hochaltar. – Foto: JoBo, 4-2016.

In jedem Fall lohnt sich ein Besuch der San Nicolás-Kirche in Valencia. Wenn möglich mit Führung – täglich um 12 Uhr.

(Josef Bordat)

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