Katharina von Siena. Und andere Frauen in der Kirche

29. April 2016


Die Dominikanerin Katharina von Siena ist Kirchenlehrerin und Schutzpatronin Europas. Heute gedenkt die Katholische Kirche dieser bedeutenden Heiligen. Frau sein und die Wertschätzung der Kirche erfahren – wie passt das denn zusammen? Recht gut, wenn man genauer hinschaut. Denn: Frauen spielen in der angeblichen „Männerkirche“ eine große Rolle. „Die Kirche kann nicht sie selbst sein ohne Frauen und deren Rolle. Der weibliche Genius ist nötig an den Stellen, wo wichtige Entscheidungen getroffen werden“, meint auch Papst Franziskus.

Nicht nur die Gottesmutter Maria, auch andere Frauen werden in der Katholischen Kirche hoch verehrt. Katharina von Alexandrien, Elisabeth von Thüringen, Barbara, Lucia, Rita, Edith Stein zählen zu den bekanntesten Heiligen überhaupt. Die Kirche hat durch ihr Andenken die Biographien dieser Frauen für die Nachwelt erhalten. Auch in den letzten Jahren wurden Frauen selig gesprochen, die in ganz unterschiedlicher Weise Vorbilder im Glauben sind, etwa Mutter Teresa, Chiara Luce und Schwester Faustina.

Besonders die vier Kirchenlehrerinnen erfahren heute eine große Beachtung als Ordengründerinnen, Ordensreformatorinnen, Mystikerinnen und Philosophinnen: Hildegard von Bingen (12. Jahrhundert), Katharina von Siena (14. Jahrhundert), Teresa von Ávila (16. Jahrhundert) und Thérèse von Lisieux (19. Jahrhundert). Zwar sind die Frauen mit 11 Prozent quantitativ unterrepräsentiert, ihr Anteil ist damit halb so hoch wie der deutscher Hochschullehrerinnen im 21. Jahrhundert (22 Prozent).

Trotz dieses Nachholbedarfs zeigt sich an der Wertschätzung gegenüber den heiligen Frauen, dass das Bild der „Männerkirche“ schief ist. Zumindest aber unvollständig. Ausgeblendet wird dabei, dass gerade in der letzten Zeit die Rolle der Frauen in der Kirche eine größere wurde, auch durch die Personalpolitik des Papstes. 20 Prozent aller Mitarbeiter im Vatikan sind weiblich; der Anteil hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt.

Auch leitende und wichtige beratende Tätigkeiten werden mehr und mehr von Frauen ausgeübt. So ernannte Papst Franziskus 2014 die im Fach Dogmatik habilitierte Franziskanerin Maria Domenica Melone zur Rektorin der Päpstlichen Universität Antonianum und im Jahr darauf die italienische Historikerin Stefania Nanni, Professorin für „Geschichte der Neuzeit“ an der römischen Universität La Sapienza, zur Konsultorin der Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen. Im gleichen Jahr nahm ein 24-köpfiges Beraterinnen-Gremium mit Frauen aus Wissenschaft und Medien, Diplomatie und Politik, Bildung und Gesundheitswesen die Arbeit im Päpstlichen Kulturrat auf.

Doch Frauen in hohen und höchsten Ämtern des Vatikan sind keine Erfindung des aktuellen Papstes: Schon zu Zeiten Papst Benedikts XVI. wurde Maria Domenica Melone Dekanin der Theologischen Fakultät am Antonianum (2011). Und bereits im Jahre 2003 berief Papst Johannes Paul II. die Mediävistin Letizia Ermini Pani zur Präsidentin der Päpstlichen Akademie für Archäologie und die Soziologin Schwester Enrica Rosanna zur Untersekretärin der Ordenskongregation.

Vier Jahre zuvor hatte eben jener Heilige Johannes Paul II. Katharina von Siena zur Schutzpatronin Europas erhoben, nachdem ihre theologisch bedeutenden Schriften Papst Paul VI. veranlasst hatten, Katharina 1970 in den erlauchten Kreis der Doctores Ecclesiae universalis aufzunehmen – als zweite Frau, eine Woche nach Teresa von Ávila; Thérèse von Lisieux (1997) und Hildegard von Bingen (2012) kamen dann später hinzu.

Und in Deutschland? Wie sieht es hierzulande mit den Frauen in der Kirche aus? Gut, d.h. zumindest nicht schlecht. Also, nicht schlechter jedenfalls als außerhalb der Kirche. Frauen besetzen in Generalvikariaten und Ordinariaten deutscher Diözesen nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz (2015) etwa 13 Prozent der höheren Leitungspositionen und 19 Prozent der Stellen auf der mittleren Leitungsebene. Somit ist etwa ein Drittel der mit Leitungsaufgaben verbundenen Positionen in der Kirchenverwaltung von Frauen besetzt.

Zum Vergleich: Der Anteil von Frauen in Leitungspositionen beträgt bei deutschen Wirtschaftsunternehmen je nach Größenordnung um die zehn (Mittelständler), 15 (Großunternehmen) bzw. 25 Prozent (Kleinbetriebe). Von der politisch angestrebten Quote (30 Prozent Frauen in Leitungspositionen) ist die freie Wirtschaft also noch weit entfernt, die Katholische Kirche hat sie hingegen längst erreicht bzw. übertroffen. Ganz ohne Quote.

Frauen haben einen anderen Zugang zum Glauben, der gerade in der heutigen Zeit einen unermesslich hohen Wert besitzt. Wenn mich mein Eindruck nicht täuscht, sprechen sie öfter vom Suchen als vom Gefunden haben. Das kommt vielen Menschen heute entgegen. Katharina von Siena etwa meinte: „Wenn du Gott suchst, wird dich dein aufrichtiger Wille ihn finden lassen. Magst du die vielen Anfechtungen noch so empfinden, dein Wille bleibt sich doch bewusst, dass er Gott sucht.“ Und das ist ja schon was.

(Josef Bordat)

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