Ohne Holland, mit Alaba. Die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich

9. Juni 2016


Morgen beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich. Und was für eine! Diesmal darf wirklich fast jeder mitspielen, der will. Also – mal abgesehen von den Niederländern. Startete der Wettbewerb in den Gründerjahren des zusammenwachsenden Europa mit vier Mannschaften, wurde 1980 auf acht und 1996 auf sechzehn Mannschaften aufgestockt.

Nun sind es beim UEFA-Chef Platini seiner Heim-EM vierundzwanzig Mannschaften. Der nächste Schritt wäre dann die Aufstockung auf zweiunddreißig Teams. Wahrscheinlich werden wir das auch noch er- und überleben. Doch: Erst wenn vierundsechzig Mannschaften an den Start gehen und Spanien mit Zypern, Moldawien und dem Vatikan in einer Gruppe um den Einzug ins Sechzehntelfinale kämpft, werden Sender und Sponsoren merken, dass Vermarktbarkeit Grenzen hat. Indianerehrenwort.

Andererseits können – wie gesagt – auch mal Mannschaften mitspielen, die sonst keine Chance hätten: Albanien, Wales, Nordirland. Südirland auch. Island! Und Österreich. Zum ersten Mal ist Österreich sportlich für eine Fußball-Europameisterschaft qualifiziert. Habe die Ehre!

Zu Beginn steht Österreich-Ungarn auf dem Programm. Da fragt man sich natürlich: Gegen wen? Zumindest dann, wenn man die letzten 100 Jahre verschlafen hat, wie Kaiser Franz Joseph, den die Alpenrepublik in diesem Jahr feiert. Unterdessen hat David Alaba vom FC Bayern gute Karten, der neue Sissi zu werden.

Nein, im Ernst: Wir Deutsche haben allen Grund, den Österreichern Respekt zu zollen, schließlich stammen die im Ausland bekanntesten Deutschen – Mozart, Schwarzenegger, Sissi – alle aus unserem kleinen, aber sehr feinen Nachbarland. Also, Sissi ja eigentlich nicht, aber: Hej – Geschichte war gestern! Von Ludwig Wittgenstein gar nicht erst zu reden. Oder zu schweigen. Und dann gibt es ja noch David Alaba.

Ja, mittlerweile sind sie auch im Fußball ebenbürtig. Waren es früher einzelne Lichtgestalten wie Toni Polster oder Andi Herzog sind es nun ganze Mannschaftsteile, die herausragen. Zum Beispiel die Abwehr um David Alaba. Oder das Mittelfeld vor David Alaba. Und der Sturm, wenn David Alaba mal bis nach vorne durchkommt.

Und „wir“, die Weltmeister? Was wird aus „uns“? Für Deutschland gilt der ewige Hrubesch: „Wenn wir alle schlagen, können wir es schaffen“. – In diesem Sinne: Eine schöne Fußball-Europameisterschaft.

(Josef Bordat)

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