Halbzeitbilanz, einigermaßen verheerende

1. Juli 2016


Erstmals in der Geschichte von Jobo72’s Weblog lassen die Zahlen für ein Halbjahr kein Wachstum mehr erwarten – ganz im Gegenteil. Wenn man die knapp 400.000 Besuche aus den ersten sechs Monaten auf das Gesamtjahr hochrechnet, so fehlen gegenüber 2015 rund 120.000 Zugriffe. Woran liegt dieser Einbruch?

Zum einen liegt es am „Sondereffekt Morddrohung“, der das Ergebnis für 2015 erheblich beeinflusst hat. Etwa 100.000 zusätzliche Blogaufrufe konnte ich im November 2015 registrieren, die ausschließlich mit den damals virulenten Drohungen in Verbindung standen. Diese Menschen sind zum großen Teil keine Leser des Blogs, zumindest nicht mehr bzw. nicht mehr regelmäßig.

Zu anderen liegt es daran, dass ich im ersten Halbjahr 2016 etwa ein Drittel weniger Texte veröffentlicht habe als im Vergleichszeitraum des letzten Jahres. Ohnehin ist die Anzahl neuer Beiträge seit Jahren rückläufig. Auch das mag ein kleiner Teil der Erklärung sein.

Das Außergewöhnliche und das Neue schlagen also solides kontinuierliches Arbeiten. Das hätte man auch vorher wissen können, richtig. Dennoch tut es in der Seele weh, wenn eine spontane Reaktion auf Morddrohungen 100.000 Zugriffe bekommt und ein philosophischer Essay nur 100. Das sage ich nicht nur, weil mir philosophische Essays eigentlich näher liegen als spontane Reaktionen auf Morddrohungen.

Das sage ich auch, weil ich mir natürlich angesichts dieser Umstände die Sinnfrage stellen muss: Lohnt es sich wirklich, sechs bis acht Stunden täglich vor dem PC zu sitzen, um Texte für das Blog zu recherchieren, zu schreiben, zu redigieren und einzupflegen, wenn am Ende die Morddrohungen, die mir diese Arbeit statt einer Bezahlung einträgt, tausend mal mehr Beachtung finden?

Nein, nein – ich will nicht jammern. Ich mach das ja freiwillig. Und die qualitativen Rückmeldungen, die ich erhalte, machen mir auch Mut, grundsätzlich mit der Arbeit an Jobo72’s Weblog fortzufahren. Nur: In welcher Intensität das künftig noch möglich sein wird, hängt auch davon ab, wie motiviert ich bin. Und meine Motivation hängt – Asche auf mein Haupt – in nicht ganz unerheblichem Maße von Art und Umfang der Rezeption ab. Das wäre dann aber auch die einzige Verbindung zwischen Cristiano Ronaldo und mir.

Und wenn ich dann eben merke: Die einen verstehen die Texte falsch und die anderen verstehen sie gar nicht, dann kann ich das Schreiben auch einstellen und in der nunmehr verfügbaren Zeit Minigolf spielen. Da bin ich wenigstens an der frischen Luft. Oder die halbausgefüllten Malbücher aus Kindertagen vervollständigen. Oder spülen. Irgendwas Sinnvolles halt.

So. Genug für heute.

Wird vielleicht einfach mal wieder Zeit für ein paar Morddrohungen.

(Josef Bordat)

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