Das wirkmächtigste Foul der Geschichte: Zinédine Zidane

7. Juli 2016


11 Fußballer, die man kennen sollte, auch, wenn man sich eigentlich mehr für Byzantinistik, die Poincaré-Vermutung und Origami interessiert – Teil 11 der Serie zur Fußball-Europameisterschaft in Frankreich

Zinédine Zidane ist sicherlich einer der besten Fußballer der Geschichte. Und einer der erfolgreichsten: Weltmeister (1998), Vizeweltmeister (2006), Europameister (2000), Champions-League-Sieger mit Real Madrid (2002, dazu in diesem Jahr als Trainer), nationale Erfolge mit seinen Vereinen gar nicht erst mitgerechnet. Die persönlichen Ehrungen sind Legion – allein dreimal war Zidane Weltfußballer des Jahres (1998, 2000, 2003).

So richtig berühmt und auf die T-Shirts einer ganzen Fan-Generation schaffte er es allerdings erst durch seinen spektakulären Abgang im WM-Finale von Berlin 2006. Der filigrane Techniker, der nur schwer vom Ball zu trennen war, zeigte im Spiel ohne Ball ein einziges Mal eine Schwäche. Eine menschliche, allzu menschliche. Gegenspieler Materazzi beleidigte ihn (bzw. seine Schwester) wüst. Der sonst stets besonnene Zidane reagierte äußerst ungehalten. Die Folge: Platzverweis. Und: Frankreich verlor das Endspiel gegen Italien und versank – trotz guter Einzelspieler wie Benzema und Ribéry – für zehn Jahre in der Mittelmäßigkeit.

Was genau Materazzi gesagt hat, wissen nur er selbst und Zidane. Bis heute ranken sich Mythen um den Dialog zwischen den beiden Kontrahenten. Ein Buch erschien mit möglichen Wortwechseln. Im italienischen Fernsehen gab Materazzi den angeblichen Wortlaut seiner Äußerung zu Protokoll; er kann leicht recherchiert werden – zitieren möchte ich ihn nicht.

Vielleicht jedoch war es am Ende alles ganz, ganz anders…

Materazzi: „… so dass auch theologisch dem Frauendiakonat nichts im Wege steht“. Zitat Ende. Ich meine, darüber müssen wir doch offen diskutieren!

Materazzi: Kommen wir zum nächsten Punkt. Der Pflichtzölibat. Neueren Untersuchungen zufolge sind 43 Prozent aller Priester…

Zidane: Es reischt…!

Die Versionen „Wir brauchen eine neue Einbauküche, Schatz“ und „Kennste den schon? Kommt sonn Typ… ne, Moment, wie war das noch mal?“ lasse ich jetzt aus Platzgründen weg. Ich wünsche uns allen stattdessen ein schönes Halbfinale mit opportunem Ausgang. Und Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, vielen Dank für Ihre Geduld – die Fußballerserie endet hier.

(Josef Bordat)

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