Oh, Portugal

11. Juli 2016


Was für eine Geschichte – Portugal ist Fußball-Europameister, setzt sich in der Verlängerung gegen Gastgeber Frankreich durch. Das ganze ohne Cristiano Ronaldo, der sich zu Beginn des Endspiels verletzt hatte und bald darauf ausschied. Nicht ohne das Ausscheiden so zu veranstalten, dass er die ganze reguläre Spielzeit hinweg bei Reportern und neutralen Beobachtern trotzdem das Gesprächsthema war. Und danach erst recht: als kurzfristig inoffiziell bestellter Co-Trainer mit der Lizenz zum Motivieren.

Portugal – 2004 zu Hause als großer Favoriten gescheitert, an der bis dahin und auch danach kaum positiv in Erscheinung getretenen griechischen Mannschaft, die damals im Turnierverlauf extrem unattraktiv gespielt und nur ganz knapp die Vorrunde überstanden hatte. Zwölf Jahre später nun haben sie gewonnen, im Haus des großen Favoriten, mit einer bis dahin kaum positiv in Erscheinung getretenen Mannschaft, nachdem man im Turnierverlauf extrem unattraktiv gespielt und nur ganz knapp die Vorrunde überstanden hat. Geschichte wiederholt sich. Irgendwie.

Jetzt kann man freilich einiges auf- und gegenrechnen, vor allem, da „wir“ es ja diesmal nicht geschafft haben, mit einer Portion Wut im Bauch. Also: Eigentlich wären sie gar nicht mehr dabei, die Deutschlandbesiegerbesieger, als Vorrundengruppendritte. Eigentlich geht es auch nicht an, dass ein Turniersieger im Laufe des Turniers mit einer einzigen Ausnahme ständig sieglos bleibt. Und eigentlich war es doch dieser Cristiano Ronaldo, der immer als Begründung dafür herhalten musste, dass die Portugiesen nicht längst schon wieder zuhause sind. Der war nun nicht dabei.

Wie auch immer. Lassen wir das Nachtreten in Richtung Austragungsmodus und Spielkultur. Am Ende war es ein Triumph voller Tränen jeglicher Sorte. Und voller Leidenschaft. Wie man es von Portugal nicht anders erwarten kann. Ein Spielsystem, so traurig wie ein Fado. Und so erfolgreich, denn da hört man ja auch immer wieder hin. Und ein Sieg mit einer Botschaft: Erfolg kommt auch zu dem, der geduldig warten kann. Unter Umständen zwölf Jahre lang.

(Josef Bordat)

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