Vor 450 Jahren verstarb Bartolomé de Las Casas O.P.

31. Juli 2016


Einen überraschend fairen Beitrag zur Rolle der Dominikaner in Lateinamerika kann man heute anlässlich des 450. Todestags des Dominikaners Bartolomé de Las Casas auf der Seite des Deutschlandfunk lesen.

In dem kurzen Artikel wird u.a. Ricardo Piqueras von der Universität Barcelona zitiert: „Die Dominikaner sind die ersten, die die Misshandlungen der Indios anprangern – und das hinterlässt bei Bartolomé de Las Casas einen tiefen Eindruck. Er selbst steht ganz in der Tradition der ersten Missionare, die ihrer Bekehrungsaufgabe nachkommen möchten, von den Eroberern und Landherren aber daran gehindert werden.“

Also: Trennung von Kirche und Staat in der historischen Bewertung der Conquista. Hat man in dieser Deutlichkeit sonst leider selten.

Mit Las Casas verbinden mich zehn Jahre wissenschaftlichen Forschens, von einem rechtsphilosophischen Seminar an der TU Berlin im Jahre 2001, in dem mich mein späterer Doktorvater Thomas Gil auf Las Casas aufmerksam machte, über meinen ersten publizierten Aufsatz im Jahre 2004[1], die Dissertation (2006[2]) und einer biographischen Studie im Hinblick auf Las Casas als Pazifisten (2008[3]) bis hin zu den jüngeren Arbeiten zum Thema Barockscholastik für Lexika (2009[4]) und Handbücher (2011[5]).

Auch im Blog spielt Bartolomé de Las Casas eine gewisse Rolle, immer dann, wenn im Diskurs mal wieder zu wenig differenziert wird – zwischen den materiellen Interessen der Eroberer und den geistlichen Interessen der Missionare.

(Josef Bordat)

Anmerkungen:

[1] Neue Weltordnung, alter Widerstand. Zur Aktualität des Dominikanerpaters Bartolomé de Las Casas (1484-1566). In: Kuckuck. Notizen zur Alltagskultur. Jg. 20 (2004), Nr. 2, S. 10-15.

[2] Gerechtigkeit und Wohlwollen. Das Völkerrechtskonzept des Bartolomé de Las Casas. Aachen 2006.

[3] Bartolomé de Las Casas (1484-1566). Missionar, Bischof, Kriegsdienstverweigerer. In: Müller, C.-T. / Walter, D. (Hg., 2008): Ich dien’ nicht! Wehrdienstverweigerung in der Geschichte. Berlin, S. 15-32.

[4] Late Scholasticism. In: Oxford International Encyclopedia of Legal History. New York 2009.

[5] Die Begründung des Völkerrechts in der Spanischen Barockscholastik. In: Busche, H. (Hg., 2011): Departure for Modern Europe. A Handbook of Early Modern Philosophy (1400-1700). Hamburg, S. 519-534.

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