Botschaft aus dem Becken

14. August 2016


Die erste Woche der Olympischen Spiele von Rio de Janeiro ist vorbei und wie schon in London war es einer, der alles überragte: Michael Phelps. Von ihm kann man zudem einiges lernen, auch und gerade für das Leben außerhalb des Schwimmbads.

Michael Phelps zeigt uns, dass man auch dann, wenn man erfolgreich, berühmt, gutaussehend, wohlhabend ist, wenn man einen Partner und ein Baby hat, wenn einem scheinbar alles im Leben glückt, wenn alles, was man anfasst, zu Gold wird, dass man auch dann nicht davor gefeit ist, in Sucht und Depression zu fallen, dass man sich auch dann die Sinnfrage stellt, ja, sich der Sinnfrage stellen muss, dass man auch dann weiterhin vor der Frage steht, was denn das Leben ingesamt, so großartig es im Einzelnen auch verlaufen mag, für einen Sinn haben, was das alles denn bitte schön bedeuten soll. Es scheint, dass noch etwas fehlt, damit die große Lebensgleichung aufgeht, auch dann, wenn in der Summe alles stimmt, wenn alles – wie es scheint – perfekt läuft. Für Michael Phelps war es die Entdeckung einer bislang vernachlässigten Konstante, das Bewusstsein, dass es etwas Höheres gibt, etwas, das unser Leben übersteigt, auch das Leben eines zigfachen Olympiasiegers. So schildert er selbst seine Erfahrung zwischen den Spielen von London und Rio, in denen er zeitweilig zusammenbrach.

Christen identifizieren dieses Höhere mit Gott und das Bewusstsein des Höheren mit dem Glauben. Eine Glaubenskrise ist insoweit immer eine Sinnkrise, zugleich lässt sich die Sinnfrage nicht ohne Gott beantworten. Das ist meine Bilanz zur Halbzeit der Spiele.

(Josef Bordat)

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