Flötenkonzerte und Angriffskriege

17. August 2016


Zum 230. Todestag Friedrichs II. von Preußen.

Am 17. August 1786, heute vor 230 Jahren, starb Friedrich II. von Preußen, Beiname „der Große“, zunächst König „in“ und später erster König „von“ Preußen, der sich selbst als „ersten Diener des Staates“ bezeichnete, für seine Untertanen aber vor allem eines war: der „Alte Fritz“.

Dabei war es zunächst der „Junge Fritz“, der 1740 (mit gerade mal 28 Jahren) in Preußen an die Macht kam. Seine erste nennenswerte Amtshandlung ist der Überfall auf Schlesien, eine Region des verbündeten und friedlichen Österreichs unter der fünf Jahre jüngeren Maria Theresia.

Sie war im gleichen Jahr an die Macht gekommen, also mit 23 Jahren. In einem Alter, in dem heute viele versuchen, ein unbezahltes Praktikum zu bekommen, um Berufserfahrung zu sammeln, herrschen die beiden „aufgeklärten Monarchen“ über die Großmächte Mitteleuropas. Österreich-Ungarn war dies bereits, Preußen sollte es werden. Dank Friedrichs Expansionspolitik. Schlesien war dazu nur ein erster Schritt, trug ihm aber bereits den Titel „Monstrum“ ein. So nannte ihn Maria Theresia.

Heute denken wir bei Friedrich II. weniger an den Kriegsherrn, der den vom Vater (des „Soldatenkönigs“ Friedrich Wilhelm I.) aufgebauten Militärapparat skrupellos einsetzte und dabei im Falle Schlesiens etwas organisierte, das nach heutigem Völkerrecht „Aggression“ genannt wird (einer der Fälle, für die auch die auf Frieden und Verständigung ausgerichtete UN-Charta von 1945 gewaltsame Gegenmaßnahmen erlaubt). Heute feiern wir den Komponisten, den Philosophen und vor allem den Aufklärungsfreund Friedrich.

Dass Friedrich der Große nach innen einen aufgeklärten Absolutismus vertrat und dass er der Ansicht war, in Preußen solle jeder „nach seiner Façon selig werden“, das ist die eine Seite des Superstars der deutschen Geschichte. Dass er Angriffskriege führte und eine rücksichtslose Expansion seines Landes vorantrieb, die andere. Sie darf nicht vergessen werden, vor allem mit Blick auf das, was in den zwei Jahrhunderten nach seinem Tod auf dem Boden Preußens gedieh: Imperialismus, Faschismus, Kommunismus – stets unterfüttert durch eine irrwitzig hoch finanzierte Armee.

Ob im Kaiserreich, im Nationalsozialismus oder auch in der DDR – die dreckigen Spuren Friedrichs lassen sich finden. Das sollte man nicht vergessen – bei allen Bonmots und Querflötentönen.

(Josef Bordat)

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