Zur Heiligsprechung Mutter Teresas

2. September 2016


Christian Feldmanns Biographie in aktualisierter Neuauflage

Am Sonntag wird Papst Franziskus die selige Teresa von Kalkutta, Mutter Teresa, heiligsprechen. Anlässlich dieses Ereignisses legt der Herder-Verlag die erstmals 1997 erschienene Mutter Teresa-Biographie des Ratzinger-Schülers Christian Feldmann erneut auf, in überarbeiteter und erweiterter Fassung. Besonders wertvoll ist bei dieser Darstellung der Ansatz, das Leben Mutter Teresas spirituell zu erschließen. So finden sich zu jedem Lebensabschnitt und jedem Tätigkeitsbereich Hinweise auf die geistlichen Grundlagen, ohne die das große Wirken Mutter Teresas nicht verstanden werden kann, dessen Früchte heute in rund 140 Ländern der Erde zu sehen sind, in denen etwa 5000 Schwestern und mindestens 500 Brüder mehr als 700 Heime für Kranke und Sterbende, Obdachlose und Waisenkinder unterhalten – auch in Deutschland.

Dass viele – ohne Kenntnis und Akzeptanz dieser geistlichen Grundlagen – tatsächlich zum Missverstehen Mutter Teresas verdammt sind, zeigt Feldmann in einem kurzen Schlusskapitel, das sich der Rezeption der Ordensfrau widmet. Einerseits wurde sie bereits kurz nach ihrem Tod (1997) von vielen Gläubigen als Heilige verehrt, andererseits werfen ihr Kritiker die schlimmsten Dinge vor. Verstörend sei dabei nicht, so Feldmann, dass überhaupt kritisch nachgefragt werde (auch, wenn die Vorwürfe vage konstruiert und damit haltlos sind), sondern die „Häme und Bösartigkeit“, mit der dies geschehe: „Woher dieser Hass, diese Wut, diese Feindseligkeit? Wozu die Scheuklappen und Denkverbote?“ Der Verfasser äußert vorsichtig eine Vermutung: „Irritiert, verunsichert, provoziert Teresas schlichte Radikalität so sehr, kratzt sie derart aufdringlich am Mainstream-Gewissen, dass manche meinen, sich in Hohn und Spott und aggressive Ablehnung flüchten zu müssen?“

Die Missionarinnen und Missionare der Nächstenliebe lassen das alles über sich ergehen. Sie bilden einen „an Public Relations wenig interessiert[n] Orden“, sie „packen […] lieber schweigend an, statt Werbung zu machen“. Umso wichtiger ist eine gute publizistische Arbeit über ihr Wirken, das gerne auch kritische Fragen zu beantworten gewillt sein darf – sachlich, respektvoll und im Bemühen um Verständnis, also gerade so, wie man es im Umgang miteinander erwarten sollte. Christian Feldmann hat dazu einen Beitrag geleistet. Er sei allen empfohlen, die sich anlässlich der Heiligsprechung genauer mit der populären Ordensgründerin beschäftigen wollen. Gerade auch den Kritikern.

Bibliographische Angaben:

Christian Feldmann: Die Liebe bleibt. Das Leben der Mutter Teresa.
Freiburg i. Br.: Herder Verlag 2016 (Neuauflage der 1997 erschienen Biographie).
192 Seiten, € 19,99.
ISBN 978-3-451-37547-7.

(Josef Bordat)

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