Zum Umgang mit der AfD

5. September 2016


Nach dem völlig überraschenden Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern, einem Bundesland, in dem es seit Jahren keine Umfragen mehr gab, ist ganz Deutschland geschockt und ratlos: Die AfD erreichte über 20 Prozent. Das liegt natürlich vor allem bis allein daran, dass die NPD so schwach blieb und sich die Nazis nunmehr in Richtung AfD orientieren.

Die gegenüber 2011 exakt gleichgebliebene Wahlbeteiligung sowie der Zuwachs bei den anderen Parteien, vor allem bei der alles überragenden SPD und den historisch starken Linken, die zusammen 112 Prozent mehr Stimmen erhielten als je zuvor, stützt die These, dass es sich bei den AfD-Wählern eigentlich um NPD-Wähler handelt, also um Nazis. Ist ja auch völlig abwegig, auch nur im Traum daran zu denken, dass Linke-Wähler auch nur im Traum daran denken, die AfD, also: die Rechte, zu wählen! Zur These passt außerdem, dass die NPD von über 42 (1932) auf unter 4 Prozent (2016) gefallen ist. Noch Fragen?

Ja! An die AfD. Was hält die eigentlich davon, dass sie fast ausschließlich von Ex-NPDlern gewählt wurde. Hm? „Sie werden von Nazis gewählt! Was sagen Sie dazu?“ Jaha! So geht das! Das erspart dann auch jede inhaltliche Auseinandersetzung und jedes politische Gegenkonzept. Denn – ganz einfach: Alles Nazis! Haben wir nichts mit zu tun.

Und wenn dann – wiederum aus heiterem Himmel – die AfD bei den Berliner Abgeordnetenhauswahlen in zwei Wochen den Sprung ins Parlament schaffen sollte (gegen jede stabile Prognose und jede vernünftige Erwartung), hat man die Antwort schon parat. Kann man sich merken: „Alles Nazis! Haben wir nichts mit zu tun.“

Immerhin sorgt man in Berlin dafür, dass es nicht soweit kommt. Hier gibt es nämlich Demonstrationen, mit denen verhindert werden soll, dass die AfD ins Abgeordnetenhaus einzieht. „Keine AfD!“ oder „Nein zur AfD!“ oder „Berlin wählt – aber nicht die AfD!“ – Eine großartige Idee, die Schule machen sollte.

Ich war heute morgen im Supermarkt und hab geschrien: „Nein zur Mehrwertsteuer!“ Gut, hat jetzt nicht auf Anhieb geklappt, aber ich bleibe dran, versprochen! Und: Ich habe bereits eine Demonstration angemeldet: „Weihnachten bei 30 Grad! OK: 27 geht auch! Aber: Jetzt! Sofort! Und nicht erst am Zweiten Weihnachtstag, wenn sowieso alle schon wieder weg sind!“

Sehen Sie: So einfach geht das! Und schon ist man die 20 oder 30 oder 40 Prozent Nazis in der Bevölkerung wieder los. Argumente braucht man deswegen noch lange nicht.

(Josef Bordat)

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