Ohne Titel

7. September 2016


Um dieses Mal nicht missverstanden zu werden. Wenigstens dieses eine Mal.

Also, ich bin es ja gewohnt, in den Sozialen Medien schräg angegangen zu werden, wenn ich „Guten Tag“ schreibe („Du Ignorant!“, Peter Jakobsen, Perth, Australien). Auch überrascht es mich nicht (mehr), mit wie extrem streng rationierter geistiger Intensität sich Menschen dort bewegen, im (sicherlich ernsthaften) Bemühen darum, einfachste Zusammenhänge zu verstehen.

Ich weiß nicht, ob das Intensität-Mühe-Verständnis-Trilemma ein typisches Merkmal des AfD-Anhängers ist, aber eines weiß ich schon: Man kann (mutmaßlichen oder tatsächlichen) AfD-Wählerinnen und -Wählern einiges vorwerfen, aber sicher nicht, dass sie überdurchschnittlich oft sinnerfassend lesen und Ironie (auch solche in der Deutlichkeit eines Usain Bolt) schnell erkennen und mit dieser Erkenntnis sozialverträglich umgehen könnten.

Anders kann ich mir das hier zu dem hier nicht erklären:

„[I]ch verstehe es nicht, diese Abneigung gegen die AFD die nichts aber auch gar nichts mit der im übrigen kaum noch anwesenden NPD zu tun hat. Haben Sie das Programm der AFD gelesen?“ (aus einer Mail)

„‚Kulturmarxistisch statt katholisch‘ bleibt bei ‚JoBo‘ Programm – auch im ‚Umgang‘ mit der liberalkonservativen AfD. Die bürgerliche AfD braun anzupinseln (‚Nazis‘) ist eine völlig inakzeptable Verharmlosung des historischen Nationalsozialismus und zeugt von völliger historischer Unkenntnis.“ (aus einem Forum)

„Zitat bei J.Bordat: ‚Die AfD erreichte über 20 Prozent. Das liegt natürlich vor allem bis allein daran, dass die NPD so schwach blieb und sich die Nazis nunmehr in Richtung AfD orientieren.‘ Die NPD hatte bei den Wahlen 2011 6% und jetzt 3%. Demnach können nur ca. 3% AfD gewählt haben! Die AfD hat rund 21% erreicht. Jetzt müsste man noch einmal nachrechnen, ob es ‚vor allem bis allein daran‘ an den 3% Nazis gelegen hat…“ (aus einem Forum)

Während ich noch rechne, muss ich jetzt schon mal fairerweise zugestehen: Es gibt auch Menschen, sogar AfD-Anhänger, die mich richtig verstanden haben. Vielleicht könnten die bei Gelegenheit einen Club gründen – dann komme ich mal vorbei und geb einen aus. So teuer kann’s nicht werden.

(Josef Bordat)

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