Nach 52 Jahren: Friede in Kolumbien?

27. September 2016


Zunächst ist es nur ein Stück Papier, aber es könnte der Beginn einer neuen Zeit in Kolumbien sein: der Friedensvertrag zwischen Regierung und den Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia, kurz: FARC, der heute unterzeichnet wurde – im Rahmen einer großen Show, die auch in Peru, dem südlichen Nachbarn, auf allen Sendern lief. Eine Mischung aus Olympischer Eröffnungsfeier und säkularem „Urbi et Orbi“, erteilt von UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon.

Mit dem Friedenschluss endet ein Krieg, der 1964 begann und etwa eine Viertelmillion Menschen das Leben kostete, die meisten davon Zivilisten. Kolumbien war über Jahrzehnte ein besonders für Ausländer – Geschäftsleute, Touristen, Entwicklungshelfer, Missionare, Studenten – hochgefährliches Land, da sich die FARC nicht nur aus dem Drogenhandel, sondern auch aus Lösegelderpressung nach Entführungen finanzierte. Bekannt wurde der Fall der Politikerin Íngrid Betancourt.

Nun soll damit Schluss sein. Soll. Es gibt nämlich noch einige Hindernisse zu überwinden. Dem Vertrag muss das kolumbianische Volk erst noch zustimmen. Dazu wird es ein Referendum geben. Entscheidend wird aber vor allem sein, wie die Inhalte des Vertrags umgesetzt werden können. Werden alle Einheiten der FARC tatsächlich alle ihre Waffen der UNO übergeben – wie es vereinbart ist? Wird es gelingen, die verbliebenen FARC-Guerilleros (immerhin etwa 7000), die kaum etwas anderes kennen (und können) als Krieg und Kriminalität, in die Zivilgesellschaft zu integrieren?

Hoffen wir, beten wir, dass es gelingt, und das geschundene Land Kolmbien, das eine so wunderbar reiche Natur und so großartige Menschen hat, endlich zum Frieden findet.

(Josef Bordat)

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