Der Friede scheitert – an 0,2 Prozent

3. Oktober 2016


Bei der heutigen Volksabstimmung zum Friedensvertrag zwischen Regierung und den Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (FARC) stimmten nach derzeitigen Hochrechnungen 50,2 Prozent mit „Nein“, 49,8 Prozent mit „Ja“. Die meisten der „Nein“-Sager sind nicht einverstanden mit der Generalamnestie und der Wiedereingliederung der FARC-Guerrilleros in die kolumbianische Gesellschaft. Sie sehen in dem Abkommen einen ungerechten Umgang mit der Vergangenheit und finden, die Terroristen dürften nicht indirekt belohnt werden, für das, was sie jahrzehntelang angerichtet haben.

Sicher: Frieden braucht Gerechtigkeit, hoffnungsvolle Zukunft braucht versöhnte Vergangenheit. Auch sicher: Versöhnung geschieht nicht durch Auf- und Abrechnung bis ins letzte Detail, sondern durch Vergebung. Soweit das eben möglich ist. Vielen Kolumbianern ist es scheinbar (noch) nicht möglich. Doch was ist die Alternative? Geht es nun so weiter? Oder findet Kolumbien einen Weg zum Frieden? Papst Franziskus hat im Vorfeld des Referendums einen Besuch des Landes angekündigt, falls das Volk mit „Ja“ stimmt. Nun wird er vorerst wohl nicht nach Kolumbien kommen. Sicher ist schließlich: Das Referendum hat die Suche nach einem Ende des Konflikts nicht leichter gemacht.

(Josef Bordat)

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