ESA und NASA

20. Oktober 2016


Ich verstehe nicht viel von Luft- und Raumfahrt – obwohl ich im Studentenwohnheim einige sehr nette Luft- und Raumfahrttechniker kennenlernen durfte -, so dass ich die Vorgänge um die europäisch-russische Marssonde „Schiaparelli“ nur so nachvollziehen kann, wie der Wissenschaftsjournalismus sie darstellt. Das ist wenig, ich weiß. Insoweit möchte ich mich über Inhalte gar nicht auslassen.

Mir sind zwei Dinge aufgefallen. Erstens: Der Namensgeber der Sonde, Giovanni Virginio Schiaparelli, war ein italienischer Astronom aus dem 19. Jahrhundert, der den Mars erforschte. Zugleich aber war er ein Forscher, der sich mit der Geschichte seiner Wissenschaft auseinandersetzte, ein Interesse, das bis hin zu „astronomischen“ Aspekten in der Bibel reichte; sein dreibändiges Werk Scritti sulla storia della astronomia antica erschien 1925. Dieser Wille zur historischen Verortung des Fortschritts, den jeder Forscher anstrebt, scheint mir heute mehr und mehr verloren zu gehen. Liegt es vielleicht daran, dass der tiefe Glaube an die göttliche Ordnung als Bedingung für die Erforschung der Schöpfung, die im besten Sinne seinsfromme Haltung eines Kopernikus, eines Kepler, eines Newton oder auch eines Leibniz der heutigen Generation von Luft- und Raumfahrttechnikern eher peinlich ist?

Zweitens: Die Erforschung der Frage, ob es Leben auf dem Mars gab oder gibt, unter welchen Bedingungen es sich entwickelte (einige nutzen gar die irreführende Formulierung „wie es entstand“) und was gegebenfalls dazu führte, dass es ausstarb, ist für die ganze Menschheit ein wichtiges Anliegen. Vor diesem Hintergrund ist es mir unverständlich, warum die ESA (offenbar mit mäßigem Erfolg) an technischen Aspekten einer Marsmission arbeitet, welche bei der NASA längst zum Alltagsgeschäft gehören, also die Absetzung eines Roboters auf der Oberfläche des Mars. Warum werden Milliarden an Forschungsgeldern dafür ausgegeben, in Europa herauszufinden, was in den USA längst Standard ist? Wäre hier nicht eine transatlantische Zusammenarbeit angezeigt – als kleiner Schritt für die Menschheit? Und als große Entlastung des Forschungsbudgets.

(Josef Bordat)

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: