Glaube und Moral

7. November 2016


Er sagte zu seinen Jüngern: Es ist unvermeidlich, daß Verführungen kommen. Aber wehe dem, der sie verschuldet. Es wäre besser für ihn, man würde ihn mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer werfen, als daß er einen von diesen Kleinen zum Bösen verführt. Und wenn er sich siebenmal am Tag gegen dich versündigt und siebenmal wieder zu dir kommt und sagt: Ich will mich ändern!, so sollst du ihm vergeben. Die Apostel baten den Herrn: Stärke unseren Glauben! Der Herr erwiderte: Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden, und verpflanz dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen. (Lukas 17, 1-6)

Drei moralische Ratschläge gibt uns Jesus im heutigen Tagesevangelium: 1. Verführt Niemanden zum Bösen!, 2. Vergebt einander bei vorliegender Reue! und 3. Stärkt euren Glauben! Der dritte Rat ist der Kulminationspunkt der Perikope: Der Glaube ist Bedingung für Güte und Vergebungsbereitschaft.

Für Jesus ist es eine Notwendigkeit, dass der Glaube wachsen muss, damit die Moral gefestigt wird. Daher ist die Einsicht in diese Notwendigkeit vital für alle, die Ihm folgen. Sie ist der Schlüssel zu einer christlichen Existenz. Es ist also entscheidend zu erkennen, wie wichtig der Glaube ist. Damit allein ist dem Menschen schon geholfen. Schon in der Bitte um Stärkung liegt die Stärkung.

Die Bitte der Apostel um Stärkung des Glaubens, die Jesus denn auch nicht einfach erfüllt, sondern deren Bedeutung Er hervorhebt, weist ins Herz der christlichen Ethik: Es ist das Vertrauen auf Gott, das den Mut zum Guten und zur Vergebung hervorbringt. Gedanken wie „Der hat doch angefangen!“, „Ich bin dann am Ende der Dumme!“, „Ich komme wieder zu kurz, wenn ich nachgebe!“ haben dann keine Macht mehr, weil das Vertrauen auf Gott größer ist als die typisch menschlichen Zweifel.

„Stärke meinen Glauben!“ – Das ist die Kurzformel für „Hilf mir, ein Menschen zu werden, der bereit ist, das Gute zu tun und das Böse zu meiden, und der bereit ist, demjenigen zu verzeihen, dem das nicht gelungen ist, der seine Verfehlung erkennt und sich bessern will – mich selbst eingeschlossen“. Wohl dem, der Jemanden kennt, zu dem er so beten kann.

(Josef Bordat)

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