Warten

25. November 2016


Für die Tagespost habe ich mit einige Gedanken über die Wartezeit Advent gemacht. Wir warten auf das Christkind. Aber können wir das überhaupt noch – warten? Läuft unser Umgang mit Zeit dem Warten nicht zuwider? Wenn man sich unsere Mediennutzung und unsere Kommunikation anschaut, fällt es schwer, Zeiten des wirklichen Wartens auszumachen. Im Gegenteil: Die gleichzeitige Bewältigung unterschiedlichster Aufgaben macht uns zu „Simultanten“, die mit „Multitasking“ und permanenter Erreichbarkeit gewährleisten, dass auch das letzte verbliebene „Zeitfenster“ geschlossen wird. Die Folge: Gesundheitliche Risiken durch die hohe Belastung des Parallelitätsdrucks, die sich aus der Zerrissenheit zwischen dem Hier der physischen und dem Dort der psychischen Präsenz ergeben.

Aus dem Text: „Als Folge des Paradigmas der permanenten Erreichbarkeit steht die Schizophrenie fragmentarischer Raum- und Zeiterfahrung. Die Diskrepanz zwischen physischer und psychischer Anwesenheit ist häufig Ursache für fehlende Zufriedenheit mit realen Beziehungen, weil der Andere nur durch den Schleier des Telefon-Klingelns und der potenziell gegebenen anderen Kommunikationsmöglichkeit in Chats bruchstückhaft wahrgenommen wird. Man ist nicht bei sich, auch nicht bei dem, der vor einem steht, sondern man wartet stets auf die nächste Option, die verspricht, uns noch glücklicher zu machen. Oder, im Jargon der Zeit: noch mehr Spaß bereitet. Und der Advent? Der will uns auf die eine Option vorbereiten, die alles ändert. Der uns ganz will. Der uns warten lässt. Der uns zu einer Vorbereitung auf Weihnachten einlädt, auf das Fest, das uns Christen an die Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazareth erinnert.“

Lesen Sie weiter in der Tagespost. Soviel Zeit sollte sein.

(Josef Bordat)

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