Vater und Sohn. Und Heiliger Geist

29. November 2016


In den Lesungen zum Tage kommt die Dreifaltigkeit Gottes deutlich zum Ausdruck. Im Evangelium (Lk 10, 21-24) geht es um die enge Verbindung von Vater und Sohn („Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand weiß, wer der Sohn ist, nur der Vater, und niemand weiß, wer der Vater ist, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will“, Lk 10, 22), in der Lesung (Jes 11, 1-10) um den Heiligen Geist. Zumindest wird das angedeutet, wenn es heißt: „Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm“ (Jes 11, 2). Was folgt, ist eine Charakterisierung dieses Geistes: „der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht“ (Jes 11, 2).

Gottesfurcht. Das hört sich nach Angst an. Doch Bangemachen gilt nicht! Es geht ja auch nicht darum, sich vor Gott zu fürchten wie man sich vor einer Spinne oder einer Krankheit fürchtet und deswegen alles tut, ihrer Existenz im eigenen Leben zu entgehen, sondern um Ehrfurcht vor Gott, um Respekt, um Achtung, also darum, eine Haltung höchster Wertschätzung zu entwickeln, die einen stets in die Nähe des Verehrten, Gelobten und Gepriesenen drängt. Ehrfurcht ist das glatte Gegenteil von Furcht, mit der entgegengesetzten Konsequenz: nicht Flucht vor, sondern gläubige Annäherung an Gott.

Erkenntnis. Sie verschafft uns die Möglichkeit, die Welt und den Menschen zu deuten. Man braucht dafür Fleiß und Ausdauer. Erkenntnis zu erlangen ist kein Privileg von Genies, die kommen, sehen und verstehen, sondern die schwere Aufgabe aller Menschen, die in der Welt zurechtkommen wollen.

Einsicht und Weisheit. Erkenntnis führt zu Einsicht und zu Weisheit. Die Weisheit ist sicherlich die Königin der Einsicht, doch auch unterhalb der Schwelle zur höchsten Erkenntnis liegen Aspekte des Lebens, die einzusehen es sich lohnt. Die Einsicht, dass man Gott braucht. Die Einsicht, dass man sich Gott in Ehrfurcht nähern muss, um Gotteserkenntnis zu erlangen. Wir müssen bei der Einsicht in Dinge oft eine liebgewonnene Ansicht hinterfragen. Das ist nicht einfach, dazu braucht es die Vermittlung durch den Heiligen Geist.

Rat. Die Fähigkeit, Anderen einen guten Rat zu geben, wird von einer Fähigkeit übertroffen: selber einen guten Rat von anderen Menschen anzunehmen. Braucht es für jenes Einsicht, benötigt dieses Weisheit. Hilfsbedürftigkeit zuzugeben, ist eine Schwäche, die wir nicht gerne offenbaren. Doch nur so lässt sich Hilflosigkeit vermeiden, also: Schwäche, die uns offenbart. Der Heilige Geist hilft uns, dass wir uns helfen lassen, so, wie Er uns zu helfen hilft.

Stärke. Schließlich muss man stark sein, um sich im Glauben zu bewähren und stets in der rechten Ehrfurcht vor Gott zu leben. Die Stärke hat eine hässliche Schwester: die Gewalt. Gewalt tun wir einander an, wenn wir aus der Haltung des vermeintlich oder tatsächlich Stärkeren die Schwachen für ihre vermeintlichen oder tatsächlichen Defizite verurteilen. Das kommt vor. Dabei fehlen dann die anderen Gaben des Heiligen Geistes – vor allem die Weisheit.

(Josef Bordat)

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