Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria

8. Dezember 2016


Heute – genau neun Monate vor dem Fest Mariä Geburt – feiert die Kirche das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, kurz: Mariä Empfängnis, im Volksmund fatalerweise auch „unbefleckte Empfängnis“ genannt.

Fatal ist das deshalb, weil es der allgemeinen Desinformation zu Glaubensfragen in die Karten spielt. So meinen denn auch prompt einige, die Kirche nenne Marias Empfängnis vom Heiligen Geist „unbefleckt“ und halte dann wohl umgekehrt einen normalen Geschlechtsakt für „befleckt“, also „sündhaft“ .

Gemeint ist mit der „unbefleckten Empfängnis“ aber nicht, dass Maria ohne Sex schwanger wurde, sondern dass sie ohne Sünde geboren wurde. Deswegen heißt es auch „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“, nicht „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenden Jungfrau und Gottesmutter Maria“.

Warum aber wiederum dies: „ohne Erbsünde empfangen“? Warum sagt die Kirche, Maria sei frei von Schuld? Der Gedanke ist folgender: Wenn Jesus auch als Mensch frei von Sünde war, dann brauchte Er in Seinem Wachsen und Werden als Mensch eine Umgebung, die ebenfalls (weitgehend) frei von Sünde blieb.

Das betrifft auch Jesu Ziehvater Josef, einen fleißigen, bescheidenen Mann, Jesu Tante Elisabeth, eine gottesfürchtige Frau, den etwa gleichaltrigen Cousin Johannes, der Ihm als Mahner in der Wüste voranging, insbesondere aber Seine Mutter Maria, die mit Ihm so eng verbunden war wie kein anderer Mensch. Als Gottesmutter trug Maria Jesus in sich, gab ihm neun Monate lang einen besonderen Platz auf Erden: ihren Körper.

Das verlangte eine besondere Gestimmtheit Marias. Nicht nur, daß sie durch ihre freie Entscheidung, „Magd des Herrn“ (Lk 1, 38) sein zu wollen, zum göttlichen Plan ihr Einverständnis geben sollte, also als junges Mädchen bereit sein sollte für die besondere Schwangerschaft, auch von Gott her mußte sie entsprechend vorbereitet sein, damit Mutter und Kind zueinander passen.

In der Bulle Ineffabilis Deus vom 8. Dezember 1854 wird das Dogma der Immaculata Conceptio entsprechend formuliert: „Die seligste Jungfrau Maria wurde im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadengeschenk und Vorrecht des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechtes, rein von jedem Makel der Erbschuld bewahrt“.

Diese besondere Gnade läßt sich nicht nur philosophisch und theologisch, sondern auch biblisch begründen. Schon der Gruß des Engels („Gegrüßt seist du, Begnadete“, Lk 1, 28) deutet an, in welche Richtung die Beziehung Gottes zu Maria geht: Sie erfährt in Sachen Sünde und Schuld die gleiche Gnade wie der Mensch Jesus.

Elisabeth bekräftigt die Gleichheit der Gnade, die sowohl Maria als auch dem Menschen Jesus von Gott geschenkt wurde: „Du bist gesegnet unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes“ (Lk 1, 42). Der besondere Segen der Sündenfreiheit wird beiden zuteil: Maria und dem Menschen Jesus.

Das Dogma von der ohne Erbsünde empfangenen Gottesmutter (1854, Papst Pius IX.) ist eine der beiden dogmatischen Glaubensaussagen zu Maria, die den Status „unfehlbar“ haben (die andere betrifft Mariä leibliche Aufnahme in den Himmel; 1950, Papst Pius XII.).

Das gibt schließlich Gelegenheit, mit einem weiteren Fehlurteil aufzuräumen: Der Papst sei unfehlbar bzw. halte sich dafür. Nein, unfehlbar sind nur Glaubensaussagen, mit denen der Papst in aller Form (ex cathedra) nachvollzieht, was die Kirche längst als wahr anerkannt hat. Allein darin und nur dann ist der Papst unfehlbar.

Es können ohnehin nur Glaubensüberzeugungen zum unfehlbaren Dogma erklärt werden, die nicht im Widerspruch zur Bibel und zur apostolischen Tradition stehen, wie diese in der Katholischen Kirche gedeutet und geglaubt werden (sensus fidei). Das engt den Raum für „unfehlbare Dogmen“ ganz erheblich ein.

(Josef Bordat)

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