Sei kein Robot!

11. Dezember 2016


Wer irgendwo im Internet einen Kommentar abgeben will, wird nach der Eingabe des Textes oft gefragt: „Bist Du ein Robot?“ Oder sie oder er wird zu beweisen aufgefordert, dass sie oder er gerade kein Robot ist. Manchmal reicht es, ein Häkchen zu setzen, manchmal wird man arithmetisch gefordert (wobei ich mich jetzt gerade frage, ob Robots nicht auch Zahlen erkennen und einfachste Summen erzeugen können, aber ich bin kein Fachmann).

Roboter reagieren nicht auf Semantik, sondern auf Zeichenketten. Roboter sind nicht kontextsensitiv. Sie ordnen, aber sie ordnen nicht ein. Sie vergleichen Datensätze auf syntaktische Kongruenz (und das viel, viel schneller als der Mensch es je könnte), mehr jedoch nicht. Sie denken nicht. Vor allem nicht nach.

Roboter in Menschengestalt lerne ich derzeit auf Gloria.tv kennen. Menschen, die sich einen katholischen (dem Selbstverständnis nach) Algorithmus zurechtgelegt haben und die Welt danach durchscannen. Bestimmte Formulierungen sind dabei – ohne Berücksichtigung des Kontexts – inkriminiert. Zum Beispiel „Hätt‘ Maria abgetrieben“. In dem zugrundeliegenden Algorithmus löst die gleichzeitige Verwendung der Zeichenkette M-a-r-i-a und der Zeichenkette a-b-g-e-t-r-i-e-b-e-n einen Widerspruch aus.

Die Programmzeilen des Algorithmus lauten:
if „Maria“ and „abtreiben“.
goto „Tastatur“.
write „{Empörung}“.
repeat until [Strom fällt aus].
End.

Derzeit durchlaufen einige der Gloria.tv-Robots diese Schleife. Immer wieder. Gaudete.

Da ist es dann auch egal, wie es weitergeht, denn die Alarmschleife im Kopf ist längst ausgelöst. Ob man nun fortfährt: wärt ihr uns erspart geblieben (um damit Christen zu treffen, die es ohne Jesus tatsächlich nicht geben würde), oder ob man fortfährt: wäre es nicht zur Menschwerdung des Wortes gekommen (mit allen Konsequenzen), spielt keine Rolle. Beides ruft im Algorithmus des Robots gleichermaßen den Widerspruch aus. Es geht nicht anders. Differenzierung verlangte das, was Psychologen „Intelligenz“ nennen. Und an intelligenten Robotern wird derzeit erst noch gearbeitet, mit mittlerem Erfolg.

Liebe Gloria.tv-Roboter! Mal im Ernst: Wer nicht willens und/oder in der Lage ist, Anliegen und Sinn des verlinkten Beitrags zu erfassen (wenn dieser Beitrag überhaupt zur Kenntnis genommen wurde), der wird meinen Erläuterungen wohl auch nicht folgen wollen oder können. Insofern wäre meine Teilnahme an der „Diskussion“ (wenn man das, was hier abgeht, so nennen will), reine Zeitverschwendung.

Also, ich hab ja gewusst, dass sich auf Gloria.tv vereinzelt auch kognitiv etwas bescheidener angelegte Menschen tummeln, also dass die Zahl der Nobelpreiträger von der Zahl der schlichteren Gemüter (fürs Protokoll – ich sag nicht: dumm wie Stulle, ich sag: schlichtere Gemüter – OK?) bei genauer Draufsicht doch noch leicht übertroffen wird, aber dass eine signifikante Zahl der Schwestern und Brüder nicht in der Lage ist, einfachste Sachverhalte nachzuvollziehen und simpelste Zuordnungen vorzunehmen, ist dann doch – gelinde gesagt – ernüchternd.

Fast so ernüchternd wie der Umstand, dass der Mangel an Verständniskraft gleich in Empörung und Aggression umschlägt. Alles unter dem Label „katholisch“, versteht sich. Ich kann nur sagen, liebe Gloria.tv-Robots: Hätt‘ Frau Berners-Lee abgetrieben, wär mir euer Algorithmus erspart geblieben! Andererseits: Ich hätte was vermisst. So an Gaudete.

(Josef Bordat)

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