Die luzide Heilige

13. Dezember 2016


„Auge“, „Blindheit“, „sehen“, „Licht“ – das sind Begriffe, die zu allegorischer Verwendung einladen. Sie stehen insbesondere für neue Erkenntnis: etwas einsehen, etwas mit anderen Augen betrachten, jemandem ist ein Licht aufgegangen etc.

Auch in der Bibel wird mit der Metapher des Lichts oft eine Wendung zum Neuen, Besseren angedeutet: in der Schöpfung wünscht Gott, „es werde Licht“ und in der Menschwerdung bringt uns Gott das „Licht der Welt“, Jesus Christus, der wiederum Blinde sehend macht – wortwörtlich und im übertragenen Sinne.

Denn durch Seine Botschaft können wir nicht nur mit den Augen, sondern mit dem Herzen sehen. In der Nachfolge Christi strahlen wir selbst das Licht Jesu aus und erkennen in diesem gleichsam die Dinge neu. Die Welt wird heller durch Christus, im Glauben an Ihn sehen wir schärfer. Das ist die eigentliche Heilung von Blindheit, das eigentliche Wunder.

Im Heiligenkalender der Kirche steht heute „Lucia“ – die Leuchtende, die Strahlende, die Helle, die Klare. Ganz besonders in Italien und im historisch eng mit Italien verbundenen Katalonien, aber auch in Skandinavien wird das Fest der Jungfrau und Märtyrerin Lucia gefeiert.

Lucia wurde um 286 im sizilianischen Syrakus geboren und gab dort 310 – während der diokletianischen Christenverfolgung – ihr Leben für Jesus. Da war sie gerade Mitte zwanzig. Zuvor hatte sie ihr stattliches Vermögen den Armen geschenkt und nach dem Beispiel der heiligen Agatha von Catania als Jungfrau gelebt.

Santa Lucia ist die Schutzpatronin der Augenkranken. Die Heilige bringt mitten im Advent das Licht Christi in das winterliche Dunkel, verdeutlicht durch den Brauch, eine Krone mit dreizehn Kerzen zu tragen, wie dies in Nordeuropa bei Feiern und Umzügen zu Ehren der Heiligen vielerorts zu sehen ist.

Auch in Katalonien und im Baskenland wird Lucia gefeiert. Auf dem Platz vor der Kathedrale in Barcelona findet die „Fira de Santa Llúcia“ statt, ein vorweihnachtlicher Markt mit Kunsthandwerk und lokalen Leckereien. Und in den baskischen Dörfern Zumárraga und Urretxu werden wieder zehntausende Besucher zum Santa Lucia-Fest erwartet.

Ganz besonders gefeiert wird schließlich in dem Land, das heute Namenstag hat, auf der Karibikinsel Saint Lucia. In der Landesflagge Saint Lucias sieht man ein großes schwarzes Dreieck, in dem ein kleines gelbes Dreieck einschlossen ist.

Mit den Augen sieht man es so. Mit dem Herzen kann man sehen, wie sich dieses helle Dreieck nach oben hin ausdehnt und irgendwann das dunkle Dreieck ganz erfüllt haben wird. Und wenn man dann wieder mit den Augen ganz genau hinschaut, erkennt man, dass diese Hoffnung nicht unbegründet ist: das schwarze Dreieck ist strahlend weiß umrandet.

(Josef Bordat)

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