Johanneswein

27. Dezember 2016


Heute feiert die Kirche den Apostel der Liebe und der Demut: Johannes. Er ist der „Jünger, den Jesus liebte“ und der, der am leeren Grab dem Petrus den Vortritt lässt, obwohl er als Erster da ist.

Johannes war nicht nur einer der Apostel Christi, sondern der Überlieferung nach auch Verfasser des Johannesevangeliums, der Johannesbriefe und der Offenbarung des Johannes – zentrale und bedeutende Schriften des Neuen Testaments.

Johannes gilt als der Mystiker unter den Evangelisten. Er beginnt seine Deutung des Auftretens Jesu mit dem berühmten Satz „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott“.

Der so genannte „Johannes-Prolog“ ist eine sehr schwierige Stelle. Was mit dem Eingangsvers gemeint sein könnte, darüber gibt es viele Meinungen. Eine Deutung bezieht sich darauf, dass sich eine Information schöpferisch ausdrückt – wie ein Wort.

Diese Information kommt von Gott und ist zugleich Gott. Gott schafft aus sich selbst heraus die Welt und setzt einen Anfang von Raum und Zeit. Damit bleibt Gott in der Schöpfung und mit ihr verbunden.

Über das Leben des Johannes ist wenig bekannt. Fest steht: Er ist der einzige der Apostel, der nicht als Märtyrer starb (die liturgische Farbe heute ist weiß), sondern noch im hohen Alter Texte verfasste, aus denen wir oft in der Liturgie hören.

Die Legenda aurea berichtet, Johannes habe mal unbeschadet einen Becher mit vergiftetem Wein getrunken, nachdem er diesen gesegnet hatte. Auf dieser Erzählung fußt der Brauch, am heutigen Festtag des Apostels und Evangelisten Johannes Wein zu segnen.

Segnung des Johannesweins in der Rosenkranzbasilika, Berlin-Steglitz. Foto: JoBo, 12-2013.

Segnung des Johannesweins in der Rosenkranzbasilika, Berlin-Steglitz. Foto: JoBo, 12-2013.

Die Segnung des Weins geschieht, um die körperliche und seelische Gesundheit desjenigen, der davon trinkt, zu stärken und in ihm das Bewusstsein für die Liebe zu Gott und zum Nächsten wachzuhalten.

Denn das war der Grund, weshalb der Heilige Johannes der Legenda aurea zufolge den vergifteten Wein getrunken hat: einen Götzendiener zu bekehren und mit der Liebe Gottes bekannt zu machen.

(Josef Bordat)

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