Weihnachtsoktav

29. Dezember 2016


An wichtige Hochfeste schließt sich in der Liturgie der Kirche eine Oktav an. Acht Tage lang wird dann das Fest weitergefeiert – wie ein einziger Tag. Zu Weihnachten und Ostern braucht man auch einige Tage, um das Festgeheimnis zu vertiefen und den Gedanken von Geburt und Auferstehung zu reflektieren.

Die Weihnachtsoktav erläutert uns die Konsequenzen der Menschwerdung Gottes. Noch ganz im Rausch der romantischen Szenerie von Stern und Krippe, Hirten und Engeln wird uns jäh die oft grausame Realität der Christusnachfolge bewusst.

Nicht nur die theologische Tradierung des Erfahrenen in Liebe und Demut durch Johannes, sondern auch das Martyium des Stephanus und zahlreicher namenloser Unschuldiger aus dem Hass und Neid einer verständnislosen Gesellschaft schließen unmittelbar an die Heilige Nacht an.

Heute sieht die Liturgie noch einmal eine Verdichtung und zugleich Begründung dieser Ambivalenz vor. Im Bekenntnis des Simeon (Lk 2, 22-35) wird deutlich, dass sich an dem Kind in der Krippe die Geister scheiden und dass dieses Kind von uns eine Entscheidung will.

Christus ist in Simeons Worten Heil, Licht und Herrlichkeit (und zwar nicht nur für die Juden, sondern für alle Menschen), zugleich aber auch ein Zeichen, dem widersprochen wird und eine Person, durch die viele zu Fall kommen, an der sie zerbrechen. Am Ende steht Klarheit: die Gedanken vieler Menschen werden offenbar.

Sag mir, wo Du stehst. Wofür hast Du Dich entschieden? Wohin gehst Du, in wessen Nachfolge trittst Du ein, wem dienst Du? Im Geist der Weihnacht lässt sich unser Leben zuspitzen auf die Frage nach unserer Haltung gegenüber Gott.

Der Tagesheilige Thomas Becket steht stellvertretend für diese fundamental bedeutende Richtungsentscheidung des Menschen. Im 12. Jahrhundert erlebt er den Konflikt von Religion und Politik, von Kirche und Staat, von Liebe und Macht am eigenen Leib – und entscheidet sich für Gott. Und damit gegen die Welt.

Morgen dann wird das Fest der Heiligen Familie gefeiert (weil in die diesjährige Weihnachtsoktav kein Sonntag fällt). Dabei wird an den Umstand erinnert, dass Jesus selbst von Beginn an verfolgt wird. Josef erfährt im Traum, das Herodes das Kind töten will und die Familie daher nach Ägypten fliehen soll (vgl. Mt 2, 13).

Zugleich beginnt mit der Rückkehr aus Ägypten (vgl. Mt 2, 20-21) für das Volk Israel eine neue Zeit. Jesus ist der Neuanfang Gottes mit den Menschen – mit Juden wie Nichtjuden. Dass dies wiederum nicht von allen so gesehen wird, gehört zu eben jener Ambivalenz, welche die Weihnachtsoktav pägt.

(Josef Bordat)

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