Epiphanie

5. Januar 2017


Am 6. Januar feiert die Kirche die Erscheinung des Herrn, die Epiphanie. Drei für das Christentum grundlegende Aspekte lassen sich damit verbinden.

Zum einen wird Weihnachten, die Geburt Jesu, durch das Suchen und Finden der Heiligen Drei Könige, durch ihren Forscherdrang und ihre Demut vom Lokalereignis zum Weltgeschehen. Sie kommen aus Asien, sind anerkannte Autoritäten und verbinden mit ihrem Kniefall vor dem Kind Stall und Stern, das göttliche Licht des Schöpfers und das natürliche Licht der Schöpfung.

Zum anderen wird deutlich, dass die Menschwerdung Gottes nicht nur dem Volk Israel gilt, sondern der ganzen Menschheit. Die drei Könige mit ihren drei Geschenken stehen symbolisch für die drei Teile der Erde, die man damals kannte: Europa, Asien und Afrika. Gott kommt zu den Juden und den Heiden. Gott kommt zu allen Menschen.

Schließlich zeigt sich an den Weisen aus dem Osten, dass Gotteserkenntnis nicht allein aus persönlicher Erfahrung oder Offenbarungsschriften möglich ist, sondern auch durch die Betrachtung der Natur geschieht, in der sich Gott ebenso zeigt wie in der Bibel. Meinte etwa Newton, der sich mit beidem gut auskannte: Naturforschung und Bibelexegese.

Der Mensch – das lehren uns die Heiligen Drei Könige – kommt also auch durchs Sternegucken zu seinem Gottesbezug. Damit ist nicht (zumindest: nicht nur oder in erster Linie) gemeint, dass man von der Schönheit und Unbegreiflichkeit des Kosmos direkt auf Gott schließen kann, sondern, dass die Vernunft auch einen Weg zu Gott weist, ja, dass wissenschaftliche Forschung einen Zugang zum Glauben schafft, insoweit als – mit Heisenberg gesprochen – am Ende der menschlichen Erkenntniskraft (oder: am Ende einer langen akademischen Karriere) Gott auch auf den Menschen wartet, der es zeitlebens gewohnt war, Ihn systematisch auszuklammern.

Globalität, Universalität, Rationalität. Das Profil des Christentums erhält mit der Epiphanie entscheidende Konturen.

(Josef Bordat)

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