Papst Hadrian VI.

9. Januar 2017


Heute vor 495 Jahren wurde aus Adriaen Floriszoon Boeiens (Adrian von Utrecht) Papst Hadrian VI. Die Ernennung des holländischen Kardinals – der letzte Nicht-Italiener auf dem Stuhl Petri bis 1978 – fällt in eine Zeit der Umbrüche und Konflikte: die Reformation gewinnt in Mittel- und Noreuropa an Bedeutung, vom Südosten rücken die Osmanen immer weiter vor, bis vor Wien, und im Westen des Kontinents kämpften Spanien und Frankreich um die Vorherrschaft.

Hadrians kurzes Pontifikat (es dauerte nur 21 Monate) war auch geprägt von innervatikanischen Spannungen. Der neue Papst wandte sich gegen die verweltlichte Amtsführung seiner Vorgänger und den verschwenderischen Lebensstil einiger Kurienkardinäle und geriet bei ihnen in die Kritik, aber auch bei zahlreichen Künstlern, die von den Renaissancepäpsten lukrative Aufträge erhielten und nun um ihre Projekte bangten.

Ob Papst Hadrian VI. deswegen tatsächtlich ermordet wurde, wie Hermann Schreiber vermutet (Geschichte der Päpste, 1995), ist höchst ungewiss. Ganz sicher ist jedoch, dass seine hohe Bildung und Wissenschaftsaffinität, seine persönliche Demut und Einfachheit, seine Dialogbereitschaft sowie seine klare Sicht auf Mängel in Kirche und Klerus ihn zum Vorbild machen. Nicht nur für Päpste.

(Josef Bordat)

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