Handbuch für den Brückenbau

19. Januar 2017


Eine Verständigung der Generationen ist auf allen gesellschaftlichen Ebenen dringend nötig, wenn wir den demographischen Wandel meistern wollen. Bei den Grundsatzentscheidungen auf der großen politischen Bühne geht es in diesem Zusammenhang darum, kommenden Generationen eine intakte Umwelt und geordnete öffentliche Haushalte zu hinterlassen. Im Kleinen geht es ganz konkret um Lebensformen des Miteinanders von Alt und Jung.

Letztere betrachtet der renommierte Sachbuchautor Rocco Thiede, der zu den Themen Familie und Demographie bereits einschlägig publiziert hat. Er versammelt dazu Erfahrungsberichte zur Generationsbrücke. Die Generationsbrücke ist das erste Generationen verbindende Sozialunternehmen Deutschlands. Es hat sich zum Ziel gesetzt, die Generationen zusammenzubringen. Senioren spielen mit Kita-Kindern, Schüler lernen beim Besuch im Pfegeheim die Lage älterer Menschen kennen.

Die kurzen, sehr lebendig und anschaulich geschriebenen Texte zeigen, worauf es bei der Begegnung von Alt und Jung ankommt, welche Möglichkeiten und Grenzen es für den Brückenbau gibt. Und wie wichtig es ist, einander mit Respekt und Rücksichtnahme zu begegnen, sich gegenseitig ernst zu nehmen in der jeweiligen Lebenssituation. Wenn das gelingt, werden aus den „Opas und Omas“ schnell Partner, mit denen man spielen und Spaß haben kann, während die Kinder in ihrer Unbefangenheit den Heimalltag bereichern.

Ergänzt werden die eindrucksvollen Praxisberichte durch ein längeres wissenschaftliches Nachwort des Gerontologen Andreas Kruse von der Universität Heidelberg. In seiner Einordnung der empirischen Befunde hebt er die Bedeutung des Dienens als Prinzip der übergenerationalen Begegnung hervor: „Wenn man die persönlichen Bewertungen junger und alter Menschen, die am Projekt der Generationsbrücke teilgenommen haben, genauer studiert, dann wird deutlich, wie sehr sich die Teilnahme an dem Projekt auch dem Bedürfnis verdankt, ‚Dienst am Anderen‘ zu leisten, mit anderen Worten: etwas für den Anderen zu tun“.

Das Projekt sollte deutschlandweit Institutionen und Personen erreichen (bislang läuft es immerhin schon in acht Bundesländern), damit möglichst viele Menschen die Erfahrung machen können, wie beglückend es ist, jenseits des eigenen engen sozialen Umfelds „etwas für den Anderen zu tun“. Rocco Thiedes Buch kann dabei als seriöse Standortbestimmung und ermutigende Handreichung gleichermaßen dienen.

Bibliographische Angaben:

Rocco Thiede: Generationsbrücke. Wie das Miteinander von Alt und Jung gelingt.
Freiburg i. Br.: Herder Verlag 2016.
208 Seiten, € 19,99.
ISBN 978-3-451-31134-5.

(Josef Bordat)

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