Blut, Mühsal, Tränen, Schweiß

24. Januar 2017


Heute vor 52 Jahren starb Winston Churchill.

„I have nothing to offer but blood, toil, tears, and sweat.“ Blut, Mühsal, Tränen, Schweiß – nicht mehr und nicht weniger hatte der gerade ins Amt gewählte britische Premierminister Winston Churchill in seiner Regierungserklärung vom 13. Mai 1940 seinen Landsleuten für die nächsten Jahre des Krieges gegen Hitler-Deutschland „versprochen“. Vielleicht war es das letzte Mal in der Geschichte der modernen Demokratie, dass ein Politiker dem Volk so direkt die bittere Wahrheit gesagt hat, ohne Euphemismen und Heuchelei. Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – zählt Churchill zu den bekanntesten und beliebtesten Staatsmännern des 20. Jahrhunderts.

Doch nicht nur als politischer Lenker in schwierigen Zeiten hat er sich einen Namen gemacht, sondern auch als Literat. Für seine historischen Werke Marlborough (4 Bände, entstanden 1933 bis 1938) und Der Zweite Weltkrieg (6 Bände, 1948 bis 1953) erhielt er 1953 den Literaturnobelpreis.

Was daran besonders bemerkenswert ist, offenbart sich bei einem Blick in die Krankenakte des passionierten Zigarrenrauchers und Bewegungsmuffels („No sports!“): Winston Churchill litt an Depressionen, die er selbst als seinen „black dog“ bezeichnete. Ein gutes Bild, wie ich finde. Der schwarze Hund hockt in der Ecke, knurrt leise, dennoch bedrohlich und stellt immer eine Gefahr dar, auch wenn er mal nicht bereit ist, zuzubeißen, sondern statt dessen an einem Knochen knabbert. Er ist ein düsterer Begleiter mit der Fähigkeit, das Alltagsleben zu beherrschen. Und: Treu ist der schwarze Hund. Wenn er einmal die Witterung aufgenommen hat und hinter einem her schleicht, ist es schwer, ihn wieder loszuwerden. Ihn ablenken, Stöckchen werfen etwa, hilft nicht viel: Er kommt immer wieder zurück.

So war Churchill neben seiner Tätigkeit als Staatsmann, Kriegsherr und Literat immer auch depressiv. Doch er hat sich mit Beharrlichkeit mutig den Feinden gestellt, keine Angst gezeigt, weder vor dem braunen Affen, noch vor dem schwarzen Hund. Gegen jenen äußeren Feind, das wissen wir, blieb er siegreich, ob er auch gegen diesen inneren siegte, wissen wir nicht, wir können es nur ahnen. Sein großes Kämpferherz, seine Entschlossenheit und sein sarkastischer Humor, den er trotz Krieg und Krankheit nie verloren hat, sprechen dafür.

Manchmal kann man mit Übeln leben lernen. Man sollte jedoch dafür sorgen, dass es die geringst möglichen Übel sind. Übertragen auf die Regierungsform bricht er in diesem Sinne eine Lanze für die Demokratie als geringstem Übel unter den in der Geschichte ausprobierten Spielarten der Staats- und Gesellschaftsorganisation. In einer Rede vor dem Unterhaus am 11. November 1947 bringt er sein Bekenntnis zur Demokratie in der für ihn typischen Manier auf den Punkt: „Democracy is the worst form of government – except for all those other forms that have been tried from time to time.“

(Josef Bordat)

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