Fasching im Faschismus

3. Februar 2017


Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde Fasching, wie alles andere auch, oftmals für propagandistische Zwecke eingesetzt. Die Propaganda der Nazis sollte den Karneval umfunktionieren und aus seinem religiösen Sinnzusammenhang lösen. Stattdessen sollte es unter Berufung auf die „germanische Vorzeit“ eine „Deutsche Fastnacht“ geben, die kein „Abkömmling jüdisch-christlicher Kultur“ sei. „Die innere Beziehung zum kirchlich-christlichen Fastabend“ müsse „negiert und verwischt“ werden, hieß es in einer nationalsozialistischen Weisung vom November 1933.

Kardinal Michael von Faulhaber hat den Karneval gegen diese völkische Umdeutungen in Schutz genommen. In seiner Predigt an Silvester 1934 sagte er: „Der Karneval, früher eine Vorfeier der kirchlichen Fastenzeit, hat sich von der Kirche losgesagt und wird, eigentlich als Irrläufer und ohne inneres Recht, auch von jenen heute gefeiert, die die fleischlosen Fasttage der Kirche nicht mitmachen.“ 1935 widerstand der Kölner Karneval dem Eintritt in die NS-Organisation „Kraft durch Freude“, was als Narrenrevolte bezeichnet wird. Allerdings bezog sich das nur auf die Organisationsstruktur; ein Teil der Leitung der Kölner Karnevalisten war bereits zuvor in die NSDAP eingetreten.

Von Widerstand auf breiter Front kann seitens der Narren also keine Rede sein. Doch in Einzelfällen zeigt sich, dass die Kreativität des Karneval dem Zeitgeist auch damals etwas entgegenzusetzen hatte. Erinnert sei etwa an Karl Küpper, einen Kölner Büttenredner, der die Nazis (besonders deren „Deutschen Gruß“) gehörig auf die Schippe nahm, daraufhin Redeverbot bekam und sich dem KZ nur entziehen konnte, indem er freiwillig in die Wehrmacht eintrat. Küpper selbst sah sich jedoch nie als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, sondern immer als Karnevalist. Das sollte im besten Fall auf das gleiche hinauslaufen.

(Josef Bordat)

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