Martin Luther und die Sache mit der Exkommunikation

8. Februar 2017


Mit der Bannbulle „Decet Romanum Pontificem“ vom 3. Januar 1521 vollzog Papst Leo X. die Exkommunikation Martin Luthers, die er in der Bulle „Exsurge Domine“ vom 15. Juni 1520 angekündigt hatte.

Diese Exkommunikation ist heute nicht mehr gültig. Eine Exkommunikation besteht nämlich nur so lange, wie der exkommunizierte Mensch lebt. Eine Exkommunikation Verstorbener braucht daher auch nicht eigens aufgehoben zu werden, sie ist ja faktisch aufgehoben.

Das hat theologisch durchaus eine Pointe: Im Tod begegnet der Mensch nach katholischem Glauben Gott, der über ihn richtet – in Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, jedenfalls mit einer Vollmacht, die jene des Papstes übersteigt.

Daher wäre es – schwach ausgedrückt – äußerst unüblich, die Exkommunikation Martin Luthers aufzuheben, wie es immer mal wieder gefordert wird. Unlängst von Gotthold Hasenhüttl, in einem Interview mit der Saarbrücker Zeitung.

Etwas deutlicher formuliert: Eine Aufhebung der Entscheidung zu Lebzeiten durch eine neue Entscheidung nach dem Tod würde bedeuten, dass der Papst meinte, nicht Gott, sondern er habe das letzte Wort in der Beurteilung Martin Luthers.

Und das wäre wohl viel katholischer als es gut ist.

(Josef Bordat)

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