Ein Dialog

10. Februar 2017


Peter Kreeft bringt Sartre mit Sokrates ins Gespräch

Geschichte ist immer dann ganz besonders interessant, wenn Phänomene epochenübergreifend betrachtet werden, etwa die Legitimation von staatlichen Eingriffen in die Privatsphäre des Bürgers oder die Rolle der Religion für die Gesellschaft. Vergleiche anzustellen zwischen Gegenwart und unterschiedlichen Vergangenheiten ist erhellend. Umso mehr gilt dies für die Ideengeschichte. Philosophische Gedanken über Zeit und Raum hinweg miteinander in Beziehung zu bringen, macht sie einerseits verständlich und hält sie andererseits verfügbar für die Lösung gegenwärtiger Probleme. Kurzum: Was methodisch willkürlich scheint, fördert am Ende doch Sinnvolles zu Tage.

Ideen auf diese Weise miteinander in Beziehung zu bringen, ist eine geradezu typische Herangehensweise des US-amerikanischen Philosophen und Theologen Peter Kreeft, der Sokrates nicht nur – wie in dem hier besprochenen Buch geschehen – mit Jean-Paul Sartre zusammenführt, sondern auch mit Jesus (Sokrates trifft Jesus, 2013). Dass Kreeft ein ausgewiesener Fachmann ist, was die sokratische Mäeutik anbelangt, zeigt er in seinem Lehrbuch Socratic Logic (2004). Der Dialog, den Kreeft entspannt, zeugt aber nicht allein von einer tiefgründigen Kenntnis der Philosophie Platons, der uns Sokrates‘ Ideen erhalten hat, sondern auch des französischen Existenzialismus‘.

Das Gespräch thematisiert Eschatologisches wie Ethisches, streift methodische und epistemologische Fragen. Es wird wie ein sokratisches Dialog entwickelt, der sich thematisch jedoch den existenzialistischen Fragen zuwendet. Dabei wird Sartre von Sokrates in der Regie Kreefts gehörig in die Mangel genommen. Sokrates befragt kritisch die Annahmen und die eigentümliche Terminologie Sartres. Dabei unterstellt Kreeft, dass Sokrates seinen um einiges jüngeren Kollegen Sartre überhaupt versteht, was die Kenntnis der Philosophiegeschichte zwischen Antike und Gegenwart voraussetzt.

Die mittelalterliche Auseinandersetzung zwischen Nominalisten und Realisten (der so genannte Universalienstreit) ist Sokrates ebenso bekannt wie die Fortsetzung dieser Kontroverse in der Auseinandersetzung zwischen Idealisten und Materialisten. Kleinere dramaturgische Kunstgriffe sind nötig, wenn man zwei Menschen zusammenbringt, deren reale Lebenszeiten über zwei Jahrtausende voneinander getrennt sind. Von Sartre an anderer Stelle auf das Paradox angesprochen („Wie kommt es, dass du diese Szene kennst? Hat jeder hier oben alles gelesen, was dort unten je geschrieben wurde?“), erwidert Sokrates trocken: „Wir wissen alles, was wir wissen müssen.“ So einfach ist das, oder: kann es sein.

Peter Kreeft legt mit Sokrates trifft Sartre einen höchst originellen Zugang zur Existenzphilosophie vor. Volker Joseph Jordan ist für die gelungene Übersetzung zu danken, dem Lepanto-Verlag dafür, den Text in deutscher Sprache aufgelegt und so den an Philosophie Interessierten hierzulande zugänglich gemacht zu haben. Um den Dialog mit Gewinn lesen zu können, ist zwar keine genaue Kenntnis der Arbeiten Sartres oder der Methode Sokrates‘ nötig, beides hilft jedoch, das Gespräch besser zu verstehen und die bisweilen launige Diktion Peter Kreefts einordnen zu können. Eines ist der Dialog nämlich in jedem Fall: mindestens genauso unterhaltsam wie seine platonischen Vorbilder.

Bibliographische Angaben:

Peter Kreeft: Sokrates trifft Sartre.
Rückersdorf: Lepanto 2013.
191 Seiten, € 16,80.
ISBN 978-3-942605-03-8.

(Josef Bordat)

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