Gefährliche Anden

21. Februar 2017


Es gibt Berufe, die sind richtig gefährlich. Perlentaucher zum Beispiel. Oder Astronaut. Richter in Palermo. Berufsschullehrer in Berlin. Polizist. In Deutschland. Da ist man heilfroh, dass der Kindheitstraum doch nicht wahr wurde. Und seine Frau kann man ja immer noch fragen: „Wo warst Du gestern zwischen 19 und 21 Uhr?“ – „Ich… war spazieren.“ – „Hat Dich jemand gesehen?“

Ein ganz besonders gefährlicher Beruf ist der des Staatspräsidenten von Peru. Aber natürlich nicht, so lange man Staatspräsident von Peru ist. Immer erst hinterher. Komischerweise. Denn kaum ist man in Peru Regierungschef gewesen, kann man seines Pensionistenlebens nicht mehr sicher sein. Bis in die letzten Winkel der westlichen Welt werden sie verfolgt, die armen peruanischen Ex-Präsidenten.

Beispiel: Alan García. Der war von 1985 bis 1990 Präsident und hat einfach mal ein bisschen das getan, was uns seit Blüm immer eingetrichtert wurde: Altersvorsorge. 1991 wurde er unter dem Vorwurf der „unrechtmäßigen Bereicherung“ vor Gericht gestellt. Anderes Beispiel: Alberto Fujimori, Garcias Nachfolger, der bis zum Jahr 2000 im Amt war. Der sorgt daheim für Ordnung und was ist der Dank zur Entlassung? „Verstoß gegen die Menschenrechte“ – verurteilt zu insgesamt 38 Jahren Haft.

Und nun auch noch dessen Nachfolger: Alejandro Toledo, bis 2006 Präsident der Andenrepublik. Der wird derzeit von Interpol gesucht. Soll mit einem brasilianischen Baukonzern… wie soll ich jetzt sagen? Zusammengewirkt. Ja, vielleicht so: „zusammengewirkt haben“ und nun drohen dem zwischen Frankreich und den USA hin- und herjettenden Politiker im Ruhestand 28 Jahre Gefängnis.

Bei so viel Risiko wundert es mich wirklich, dass den Job des peruanischen Präsidenten überhaupt noch jemand machen will. Ich meine, wenn man doch damit rechnen kann, verhaftet zu werden, sobald man den Amtssitz verlässt. Da lob ich mir den Mut Alan Garcías: Der hat es von 2006 bis 2011 noch einmal gewagt. Hat der Mann Nerven! Und hoffentlich mittlerweile eine gute Rente.

(Josef Bordat)

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: