Sensation: Papst Franziskus nicht unfehlbar!

9. März 2017


Papst Franziskus hat gegenüber der Wochenzeitung Die Zeit zugegeben: „Ich bin ein Sünder und ich bin fehlbar“. Gucken Sie hier. Tatsache.

Das ist eine Sensation: Ein Papst gesteht Fehlbarkeit! – Naja, also, zumindest fast. Fast eine Sensation. Es wäre dann wirklich eine Sensation, wenn der Papst hinzugefügt hätte: „selbst wenn ich ex cathedra den sensus fidei in Glaubens- oder Sittenfragen verkündige“. Hat er aber ni…, Moment: Nein, hat er nicht. Puh.

Bevor das jetzt also in den falschen Hals kommt – liebe Nicht-Katholiken. Es ist folgendes: Die Katholische Kirche kennt in ihrer Dogmatik Gewissheitsgrade, das bedeutet, sie ordnet die Lehrsätze des katholischen Glaubens nach ihrem Grad an epistemologischer Sicherheit und ethischer Verbindlichkeit. Das kennt man auch sonst: Die Aussage „Morgen wird die Lufttemperatur in Berlin zwischen minus 10 und plus 30 Grad Celsius betragen“ hat einen höheren Gewissheitsgrad als die Aussage „Morgen wird die Lufttemperatur in Berlin zwischen minus 5 und plus 15 Grad Celsius betragen“. Und das ist sicherer als die Aussage… Ich denke, Sie haben verstanden.

Die Unfehlbarkeit gehört zu den Dogmen der höchsten Gewissheitsstufe. Sie steht im Rang einer Aussage de fide divina et catholica definita (oder kurz: de fide definita). Dazu gehören alle Aussagen aufgrund eines päpstlichen Kathedralurteils. Die Unfehlbarkeit des Papstes wurde also von einem Papst festgestellt, nämlich von Pius IX. Das klingt verdächtig, doch zu beachten ist, dass sich der Papst keine persönliche, sondern eine amtliche Unfehlbarheit zuschreibt, also das Papsttum für eine Instanz hält, die – unter bestimmten Bedingungen – zu irrtumsfreien Entscheidungen kommt. Dann nämlich, wenn der jeweilige Papst (also: die Person) in seinem Amt als Papst (ex cathedra) eine Lehrentscheidungen in Glaubens- oder Sittenfragen trifft und diese als letztgültige und unwiderrufliche proklamiert. Dann – und nur dann – besitzt er geistliche und kirchenamtliche Unfehlbarkeit. So wurde es auf dem Ersten Vatikanischen Konzil bestimmt.

Die Unfehlbarkeit des Papstes bei der Ausführung seines Lehramtes ist keine kirchliche Anmaßung, sondern biblisch begründet. Jesus erteilt erst Petrus, später auch den anderen Aposteln die Binde- und Lösegewalt, also das Recht, Regeln aufzustellen und über ihre Befolgung zu wachen (vgl. Mt 16, 18). Jesu Zusage, dass die Pforten der Hölle die Kirche niemals überwältigen werden (vgl. Mt 16, 18), kann als Hinweis darauf verstanden werden, dass der Irrtum (die Hölle) die Wahrheit (Christus selbst) in der Tradierung durch Menschen (die Kirche) nicht entscheidend schwächen kann, dass also die Kirche als Ganze – geleitet und erleuchtet vom Heiligen Geist (vgl. Joh 16, 13) – in Bezug auf Glaubensfragen richtig liegen wird.

Das ist die entscheidende Einschränkung: Es geht um Glaubensfragen. Kein Mensch ist in einem absoluten Sinne unfehlbar – auch nicht der Papst, ja, nicht mal Papst Franziskus. Oder Benedikt. Oder auch der erste Papst, Petrus. Die Lehre von der Unfehlbarkeit bedeutet nicht, dass der Papst persönlich frei von Sünde sei und keine Schuld zu bekennen habe; er ist ein Mensch wie wir alle und bedarf insoweit der Versöhnung mit Gott. Auch der Papst geht regelmäßig beichten.

Unfehlbarkeit bedeutet auch nicht, dass jede Meinung des Papstes richtig wäre. Predigten und Vorträge, Interviews und Bücher eines Papstes sind keine unfehlbaren Äußerungen, auch dann nicht, wenn sie in deutlicher und definierter Weise zu theologischen Streitfragen Stellung beziehen. Unfehlbar sind nur Aussagen, die als unfehlbare Dogmen verkündet werden. Das war in den letzten 2000 Jahren genau zweimal der Fall – 1854 und 1950. Es geht dabei um Glaubensaussagen zu Maria. Muss einen nicht interessieren, so als Nicht-Katholiken.

(Josef Bordat)

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