Verklärung Jesu

11. März 2017


Sechs Tage danach nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht. Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus. Und Petrus sagte zu ihm: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Noch während er redete, warf eine leuchtende Wolke ihren Schatten auf sie und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören. Als die Jünger das hörten, bekamen sie große Angst und warfen sich mit dem Gesicht zu Boden. Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf, habt keine Angst! Und als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus. Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemand von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist. (Matthäus 17, 1-9)

Wer etwas verklärt, steht im Verdacht, nicht mehr genau zwischen wahr und falsch unterscheiden zu können oder zu wollen. Verklärung grenzt an Schwindel und Selbstbetrug. Verklärung, das ist eine Sache für Klassentreffen, auf denen – mit zeitlichem Abstand – die Dinge verschwommen gesehen und weit schöner erinnert werden als man sie damals tatsächlich erfahren hat.

Hier ist das anders. Denn es geht nicht um Vergangenes, sondern um Kommendes. Es geht nicht um Verklärung durch das Urteil des zeitlichen Selbst, sondern um Erklärung durch das Bekenntnis des ewigen Seins. Es ist die Offenbarung, die Auskunft Gottes, durch die Jesus verklärt wird. Zum zweiten Mal bekennt sich der Vater zum Sohn: Nachdem Gott beim Initiationsritual für das öffentliche Auftreten Jesu, der Taufe durch Johannes, affirmativ eingriff, äußert Er sich nun bei dem Ereignis, das auf die Vollendung deutet: Die Verklärung des Herrn kulminiert in den Worten Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören. Zugleich stellt das eine Abgrenzung zum Alten Bund dar: nicht Mose, nicht Elija – Jesus ist maßgebend.

Verklärung ist hier also Erklärung. Im Licht der Wahrheit erkennen die Jünger das Wesen Christi, vom Eigentlichen ihres Herrn. Diese Wahrheit fließt wiederum nicht aus dem trüben Sinn nostalgisch-selektiver Wahrnehmung, sondern aus der Klarheit des göttlichen Geistes. Die Jünger bekommen eine Vorahnung von der Auferstehung, die sie erst nach dem Ostermorgen als eine solche verstehen werden. Deswegen sollen sie bis dahin am besten vergessen, was sie sahen, und davon schweigen – bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.

Friedrich Kardinal Wetter, der emeritierte Erzbischof von München, meint: „In der Verklärung Jesu wird uns gezeigt, wohin uns Gott mit seinem Ruf führt: in die Auferstehung mit Jesus Christus. Die Verklärung Jesu auf dem hohen Berg ist das Wetterleuchten seiner und unserer Auferstehung. Die Jünger fühlen sich in der Gegenwart des verklärten Herrn so glücklich, dass sie Hütten bauen und auf dem Berg bleiben wollen. Doch dafür ist die Zeit noch nicht gekommen. Jesus nimmt sie mit hinab in die Niederungen des alltäglichen Lebens. Dort ist der Ort, dem Ruf Gottes zu folgen, auch für uns. Im Alltag muss sich zeigen, dass wir Gottes Wege gehen.“

Verklärung der Vergangenheit bedeutet, die Dinge eingedenk des zeitlichen Abstands schöner zu sehen als man sie damals erfahren hat. Verklärung der Zukunft, wie sie hier stattfindet, bedeutet hingegen zu erfahren, dass die Dinge im Gefühl der Nähe Gottes schöner sind, als man sie momentan sieht. Von daher können wir Kraft schöpfen, für unseren Alltag, in dem wir aufgerufen sind, Christus nachzufolgen, auch wenn dies nicht immer leicht ist.

(Josef Bordat)

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