Seit vier Jahren Papst: Franziskus.

13. März 2017


Was hat er in den vier Jahren im Amt des Papstes nicht schon alles verändert, dieser Franziskus!

Beispiel: Frauen. Endlich, ja, endlich gibt es Frauen im Vatikan! Danke, Franziskus! Das darf man sagen, auch dann, wenn es Papst Johannes Paul II. war, der bereits 2003 Letizia Ermini Pani zur Präsidentin der Päpstlichen Akademie für Archäologie und die Soziologin Schwester Enrica Rosanna zur Untersekretärin der Ordenskongregation berief. Papst Johannes Paul II.? War der nicht irgendwie igitt? Wegen seiner strengen Haltung in Sachen Lebensschutz? Weil er einfach nicht akzeptieren wollte, dass Abtreibung eine Lösung ist, im Schwangerschaftskonflikt? Weil er in den Zellhaufen tatsächlich kleine und wehrlose menschliche Wesen sah? Genau. Dagegen Franziskus. Ergo: Danke, Franziskus!

Beispiel: Missbrauch. Endlich, ja, endlich macht da mal jemand ernst. Danke, Franziskus! Das darf man sagen, auch dann, wenn es gerade jener Papst Johannes Paul II. war, der bereits 2001 das Thema aufgriff und mit dem Erlass Sacramentorum sanctitatis tutela die Meldepflicht für Missbrauchsfälle an Rom einführte und den Beschuldigten mit drastischen Strafen – bis hin zur Laisierung – drohte. Er verschärft damit das geltende Kirchenrecht von 1983 (als in Deutschland einige die Straffreiheit für Sex mit Kindern fordern, Parenthese Ende). Das CIC sieht bei Sex mit Kindern „gerechte Strafen“ vor (1395, § 2). Josef Kardinal Ratzinger war es schließlich, der ebenfalls im Jahr 2001 als damaliger Präfekt der Glaubenskongregation das Schreiben De delictis gravioribus (also: über das Schwerverbrechen des Missbrauchs) verfasste und damit für das Bekanntwerden von Fällen sexuellen Missbrauchs aus den vergangenen Jahrzehnten sorgte. Denn als unmittelbare Folgen der von Papst und Präfekt vorgenommenen Verschärfung der Rechtslage gelten zwei Fakten: 1. Etwa 3000 Beschuldigungen aus zahlreichen Diözesen aller Teile der Welt gehen ein. Sie betreffen hauptsächlich den Zeitraum zwischen 1910 und 1990, waren also nach den meisten Rechtsordnungen längst verjährt und wären somit nie bekannt geworden. 2. Die Zahl der Missbrauchsfälle ging seit 2002 drastisch zurück. In der Katholischen Kirche. In der Gesellschaft war der Rückgang weit weniger stark. – Josef Ratzinger? War der nicht irgendwie Benedikt? Jedenfalls: Danke, Franziskus!

Beispiel: Umwelt. Endlich, ja, endlich erkennt ein Papst die Bedeutung der Ökologie. Danke, Franziskus! Das darf man sagen, auch dann, wenn es Papst Benedikt (igitt) war, der nicht nur von der „Ökologie des Menschen“ sprach, sondern das Mandat des Umweltschutzes höchstpersönlich in die Tat umsetzte: Er ließ eine Solarstromanlage von der Größe eines Fußballfeldes im Vatikan errichten. Jedes Jahr werden damit rund 220 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen eingespart. 2008 erhielt der Vatikan dafür den „Europäischen Solarpreis“. Beim Neujahrsempfang 2010 für das beim Vatikan akkreditierte Diplomatische Corps drückte Benedikt seine „große Sorge“ über die „politischen und wirtschaftlichen Widerstände gegenüber dem Kampf gegen die Umweltverschmutzung“ aus, wie sie beim Klimagipfel in Kopenhagen (2009) zutage getreten waren. Mit dem Klimawandel stehe das Schicksal ganzer Länder auf dem Spiel, betonte der Papst, insbesondere der kleinen Inselstaaten. Benedikt rief die internationale Gemeinschaft in deutlichen Worten zum Handeln auf. Danke, Franziskus!

Beispiel: Geld. Endlich, ja, endlich reformiert ein Papst die Vatikanbank. Danke, Franziskus! Den Aufsichtsrat hat zwar bereits 1990 Johannes Paul II. eingesetzt und die Reform geschieht seit 2010 auf Betreiben Benedikts, der noch am 15. Februar 2013 (zwei Wochen vor seinem Amtsverzicht) eine neue Leitung einsetzte, in Person des deutschen Juristen Ernst Conrad Rudolf von Freyberg-Eisenberg, der bis Juli 2014 wichtige Reformschritte umsetzte und das Institut transparent macht, unter anderem durch die erstmalige Veröffentlichung eines Geschäftsberichts im Internet. Sommer 2014? Da war doch längst schon Franziskus im Amt. Also: Danke, Franziskus!

Und als sei das nicht genug, gibt Franziskus auch noch zu, ein Sünder zu sein. Als erster Katholik überhaupt!

Andererseits: Was kann der arme Mann dafür, dass er von denen, die mit der Kirche nichts zu tun haben (wollen), falsch verstanden wird? Was, dass es ihm mit vielen Menschen innerhalb der Kirche auch nicht besser geht? Für falsche Erwartungshaltungen kann er, Papst Franziskus, nichts, für mangelnde Detailkenntnisse derer, die diese Erwartungshaltungen in den Medien verbreiten, kann er auch nichts. Was ich vor acht Jahren über Papst Benedikt schrieb, zu dessen vierten Jahrestag der Amtsübernahme, trifft auch auf Franziskus zu: „Das hindert die Jugend in der Kirche nicht daran, ‚ihren‘ Papst mehrheitlich gut zu finden“.

Versuchen wir, die wir die Jugendjahre hinter uns gelassen haben, den Heiligen Vater zu verstehen – mit ganzem Herzen. Und vergessen wir nie, dass die Kirche nicht vom Papst geleitet wird – nicht von Benedikt und nicht von Franziskus -, sondern vom Heiligen Geist.

(Josef Bordat)

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