Steter Tropfen

3. April 2017


Gestern war sie eher unauffällig. Ich meine, die für einen Tatort übliche Spitze gegen die Kirche. Ein Mordopfer vor sich auf dem Tisch spekulieren der Münsteraner Kommissar Thiel und der Pathologe Boerne über den Täter. Die Kirche stecke dahinter, meint Thiel, denn das Opfer war Enthüllungsjournalist. Und habe es da nicht diesen Missbrauchsskandal in einer katholischen Schule gegeben? Er traue „den Brüdern“ ja einiges zu, erwidert Boerne, aber die Ermordung von Ketzern sei doch seit dem Ende der Inquisition aus der Mode gekommen.

Der Verdacht ist damit ausgeräumt und zugleich wurden in die Geschichte ohne jeden Tempoverlust zwei kirchenkritische Stammtischklischees eingebaut: 1. Wenn Kirche, dann Missbrauch (und umgekehrt), 2. Am liebsten würde sich die Kirche auch heute noch gewaltsam ihrer Kritiker entledigen. Da das nicht mehr geht, macht sie diese nur noch mundtot. Man schimpft auf die Kirche, vor allem darüber, dass man sie nicht kritisieren darf, „die Brüder“.

Diese Spitzen werden als solche nur den wenigsten Zuschauern aufgefallen sein. Zu gewöhnlich ist es geworden, der Kirche im Vorbeigehen eins auszuwischen. Kleine, versteckte Fouls. Immer wieder. Es ist fast langweilig. Doch wir müssen wachsam bleiben. Wenn der Spott erst zur Normalität geworden ist und daher als solcher gar nicht mehr erkannt wird, ist das Ziel erreicht: die Reduktion des Begriffs „Kirche“ auf das Negative. Steter Tropfen höhlt nicht nur den Stein.

(Josef Bordat)

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