Isidor von Sevilla

4. April 2017


Der Tagesheilige Isidor von Sevilla (560-636) war ein frühmittelalterlicher spanischer Gelehrter und in seinem Wissensdrang ein Vorläufer der Enzyklopädisten der Aufklärung. Ganz nebenbei war Isidor übrigens noch Bischof (als Nachfolger seines älteren Bruders Leander) und vertrat die (immer noch) junge Kirche im Kampf gegen den Arianismus während dessen westgotischer Blütezeit.

Kirchenpolitisch war Isidor allein damit eine wichtige Persönlichkeit. Er förderte die Einheit der spanischen Kirche, indem er die Westgoten, die im 5. Jahrhundert die iberische Halbinsel erobert hatten und mehrheitlich dem Arianismus anhingen, zum Glauben der Kirche bekehrte. Er leitete die Synode von Sevilla (619) und das Vierte Reichskonzil von Toledo (633), in welchem die Einheit von Kirche und Staat, die Einrichtung von Domschulen in jeder Diözese sowie die Vereinheitlichung der liturgischen Praxis verabschiedet wurde. Von Isidor stammt zudem der Begriff Messe als Bezeichnung für den Gottesdienst (von lateinisch missio: „Sendung“).

Die eigentliche epochale Leistung liegt jedoch in seiner Bildungspolitik. Glaube und Wissenschaft waren für Isidor kein Widerspruch, beten und lesen gehörten für ihn zusammen: „Wer immer bei Gott sein will, muss viel beten und viel lesen. Wenn wir beten, sprechen wir mit Gott; wenn wir lesen, spricht Gott mit uns“. Damit seine Zeitgenossen lesen lernen konnten, ließ er Schulen bauen, damit sie sich im Lesen üben konnten, richtete er Bibliotheken ein. Damit sie darin etwas Gutes zum Lesen fanden, schrieb Isidor zahlreiche Bücher.

Sein Hauptwerk ist das zwanzig Bände umfassende „Etymologiarum sive originum“, eine Art Realenzyklopädie, die das Wissen des Frühen Mittelalters zusammenfasste. Dazu gehört übrigens auch das bereits bei den Kirchenvätern der Spätantike (etwa bei Ambrosius von Mailand und Augustinus) aufzuweisende Wissen um die kugelförmige Gestalt der Erde – Isidor nennt unseren Planeten pila („Ball“).

Als Handbuch für die Studenten des Mittelalters blieben die Etymologiae über Jahrhunderte hinweg ein wichtiges Nachschlagewerk. Seine „Chronica Majora“ ist ein umfassendes Geschichtswerk, sein dreibändiges „Sententiarum“ gilt als erstes Handbuch christlicher Lehre und Ethik in der römischen Kirche. Isidor verfasste darüber hinaus weitere Abhandlungen über Theologie, die Heilige Schrift, Linguistik, Wissenschaft und Geschichte.

Um es deutlich zu sagen: Im Mittelalter gab es keine akademische Bildung ohne Isidors Hilfe. Sein Einsatz für Wissenschaft und Bildung kann daher gar nicht hoch genug bewertet werden. Vor allem um die gute Ausbildung der Priester war er sehr bemüht. Aber auch darum, dass sie über ihre wissenschaftliche Bildung nicht zu akademisch-distanzierten Gelehrten mutieren, schließlich gilt: „Der Schutz jeder Heiligkeit ist die Liebe, und die Demut ist der Ort, an dem sie wohnt“.

Auch eine posthume interkulturelle Ausstrahlung sagt man Isidor nach: Die Überführung seiner Gebeine von Sevilla nach León im Jahre 1063 wurde vom damals in Andalusien herrschenden Kalifen ausdrücklich befürwortet. „Wisset, dass eure Sache auch die unsre ist“, soll er zu dem Projekt König Ferdinands I. gesagt haben. So gelangten die Gebeine Isidors unter großer Anteilnahme der Bevölkerung nach León.

Isidor beschließt als letzter abendländischer Kirchenvater die Patristik. Er wurde 1598 heilig gesprochen und 1722 zum Kirchenlehrer ernannt. Er ist Nationalheiliger Spaniens. Isidor von Sevilla ist seit 2001 auf Vorschlag des damaligen Kurienkardinals Josef Ratzinger zudem als Patron des Internet im Gespräch; eine diesbezügliche Entscheidung durch den Vatikan steht aber noch aus.

(Josef Bordat)

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